Trackday-Test All4Track: „Exclusive Driving“ auf dem Hockenheimring

Trackdays erfreuen sich Jahr für Jahr größerer Beliebtheit. Die Folge: Immer mehr Trackday-Anbieter drängen auf den Markt, um die steigende Nachfrage zu bedienen. Inzwischen sind so viele Trackday-Unternehmen aktiv, dass Sportfahrer nicht selten den Überblick verlieren. Um etwas mehr Transparenz in die Szene zu bringen, habe ich mich entschieden, ab sofort in unregelmäßiger Regelmäßigkeit Trackday-Anbieter zu testen. Den Anfang des neuen Trackday-Test-Formats macht All4Track, ein Premium-Anbieter, der relativ neu am Markt ist und von zwei sehr erfahrenen Trackday-Spezialisten geführt wird.

Lange Zeit herrschte auch zu Anfang dieses Jahres Ungewissheit, ob und wann Trackdays aufgrund der anhaltenden Coronakrise möglich sein würden. Trackday-Anbieter, die ihre Hausaufgaben gemacht hatten, wurden positiv überrascht: Denn mit überzeugenden und zusammen mit den Streckenbetreibern erarbeiteten Hygiene-Konzepten ging es in diesem Jahr tatsächlich einigermaßen zügig los.

Als mich All4Track kurzfristig zum „Exclusive Driving“ Trackday am Hockenheimring einlud, musste es schnell gehen. So schnell, dass ich für den Trackdaysport-Honda Civic Type R noch ohne vernünftige Bremsbeläge unterwegs war. Die von der Werkstatt im Winter für den Einsatz abseits der Rennstrecke montierten „Serienersatz“-Bremsbeläge stellten sich bereits im Straßenverkehr als wenig leistungsfähig heraus. Nicht optimal.

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Erster Trackdaysport Trackday-Test

Umso optimaler: Das Wetter am Tag des Trackdays Mitte März. Als ich um kurz nach 8 Uhr durch das Infield des Hockenheimrings rolle, strahlt bereits die Sonne aus einem nahezu wolkenfreien Himmel. An der Einfahrt zum Fahrerlager werde ich von Anna Schwerfeld von All4Track begrüßt. „Such dir erstmal einen Parkplatz, dann können wir den Papierkram in Ruhe machen“, schlägt Anna vor. So machen wir´s!

Dabei gibt´s so viel Papierkram gar nicht. Dokumente wie der obligatorische Haftungsverzicht etc. können bei All4Track nämlich digital und online unterzeichnet und eingereicht werden. Wer alles vorab abgeschickt hat, kann durchfahren. Wer nicht, muss halt nochmal ran. Aber mit Anna kann man eh prima plaudern.

Zudem gab es im Vorwege ausführliche und sehr gut aufbereitete Dokumente (Event-FAQ und Safety-Rules) als „digitale Fahrerbesprechung“. Wenn wir auf höchstem Niveau meckern wollten, wäre eine Fahrerbesprechung im Video-Format natürlich top, die den Teilnehmern noch mehr Infos zur Strecke oder Tipps für die Ideallinie an die Hand geben könnte.

Die Aufkleber müssen nach wie vor händisch montiert werden – dafür gibt´s  für mich eine besondere Nummer: Die 959, wie der gleichnamige Supersportwagen von Porsche aus den 1980er Jahren. Einmal 959 fahren – ein weiteres Live Goal abgehakt!

Sicherheit wird bei All4Track groß geschrieben

Bevor es auf die Strecke geht, steht die Fahrerbesprechung an. Kilian Weitz, einer der beiden Gründer von All4Track, nimmt sich viel Zeit, um noch einmal auf die Besonderheiten des Hockenheimrings einzugehen und den Teilnehmern die Spielregeln des heutigen Tages vorzustellen. Im Trackdaysport-Interview hatten die beiden Geschäftsführer Kilian und Daniel Schwerfeld bereits betont, wie wichtig ihnen die Sicherheit bei ihren Trackdays ist. Das bestätigt sich heute. Obwohl das Fahrerbriefing durchaus ausführlich ist, bleibt es jederzeit kurzweilig. Auch dank des ein oder anderen lockeren Spruchs von Kilian. Hinter den Masken der in sicherem Corona-Abstand versammelten Teilnehmer lässt sich immer wieder ein Lächeln erahnen.

Nach der Fahrerbesprechung geht es flugs zum Auto für den ersten Stint. Denke ich mir. Doch auf dem Weg dorthin verquatsche ich mich wie immer mit den Bilstein-Jungs, die wieder mit einem eigenen Stand und ihrem BMW M2 vor Ort sind.

Gefahren wird heute in zwei Gruppen: In der Gruppe „Street“ starten Straßenfahrzeuge, in der Gruppe „Race“ Rennfahrzeuge. Normalerweise starten maximal 25 Fahrzeuge in der Race-Gruppe und maximal 40 Autos in der Street-Gruppe. Aufgrund des frühen Termins im Jahr und der noch vorhandenen Corona-bedingten Zurückhaltung der Szene, Trackdays zu buchen, sind es in der Street-Gruppe heute tatsächlich nur rund 25 Fahrzeuge.

Ab auf den Track

Nachdem ich Stint eins verpasse, schaffe ich es rechtzeitig zu Stint zwei. In der ersten schnelleren Runde, kommt der Civic in der Spitzkehre, nach der ultraschnellen Parabolika schön quer. Klare Sache: Die Reifen sind noch nicht auf Temperatur. Kein Wunder: Trotz besten Sonnenscheins ist es noch ziemlich kalt. Dass es nur 4° sind, verarbeitet das Hirn offenbar nicht korrekt.

Doch jede Runde spürst du ein paar Prozentpunkte mehr Grip. Ein paar Runden später sind die Michelin Pilot Sport Cup 2 auf Betriebstemperatur, das Vertrauen ins Auto steigt, irgendwann passt alles. Mit knapp 190 km/h fliegst du auf der Start-Ziel-Geraden auf die schnelle Ravenol-Kurve zu. Relativ kurz, dafür hart bremsen und präzise den Scheitelpunkt mitnehmen. Besonders schnelle/mutige Fahrer trägt es dabei recht weit raus. Gut, dass der Hockenheimring so viel Platz bietet.

Bremsprobleme

In der folgenden Ameisen-Kurve (Bernie-Ecclestone-Kurve) lenkst du spät ein und solltest möglichst exakt den Scheitelpunkt treffen, um zumindest ein wenig Schwung mit auf die Parabolika zu nehmen, auf der du im Honda Civic Type R locker 220 km/h erreichst. Ultrahart anbremsen, spät einlenken und wieder aufs Gas. Es sind die Bremszonen von Kurven wie diesen, in denen ich merke, dass die „Serienersatz“-Bremsbeläge weit entfernt von der Performance der Serienbeläge, geschweige denn von Hardcore-Belägen arbeiten. Gefühlt fehlen 20 Prozent an Bremsleistung. Dass soviel fehlen würde, hat mich überrascht. Was nicht überrascht: Die Brems-Performance nimmt auf den folgenden Runden immer mehr ab.

Schnelle Einfahrt ins Motodrom erfordert Mut

Der folgende Rechtsknick erfordert mehr Mut und ist schwieriger zu meistern, als im Simulator. Die ultraschnelle Kurve geht mit dem Civic sicherlich voll, wenn alles passt. Ich bevorzuge heute, das Bremspedal mit einzubeziehen, verliere dadurch aber sicherlich einiges an Zeit. Im weiteren Verlauf wird der Hockenheimring technisch recht anspruchsvoll. Vor allem die Einfahrt ins Motodrom ist wieder so eine (blinde) Ecke, in der ich Zeit liegen lassen. Am Ausgang kommt einem das Kiesbett schließlich sehr nahe.

Bild: Christian Rapp/Car Photo Concept

Nachdem ich den Hockenheimring lediglich in der kleinen Variante aus Papenburg und vom PC kenne, gehe ich es lieber langsam an. Insbesondere auch aufgrund der Gewissheit, dass die Bremsen heute nicht die besten sind.

Dennoch ist das Fazit ausschließlich positiv. Die Beschränkung auf maximal 40 Autos ist top – dass heute nur rund 25 Autos gleichzeitig auf der Strecke sind, macht es noch besser. Klar ist aber auch: Angesichts eines Trackday-Preises in Höhe von 699 Euro für All4Track-Clubmember und 849 Euro für Nicht-Mitglieder ist die Dichte an extrem leistungsstarken Fahrzeugen recht groß. So sind heute sicherlich 75 Prozent der Teilnehmer auf Fahrzeugen der Marke Porsche unterwegs. Auf der Strecke geht es extrem fair zu. Haarige Szenen, die bei Trackdays hin und wieder nicht zu vermeiden sind, sind heute Fehlanzeige.

Die knapp 200 Minuten Fahrzeit, die heute theoretisch drin wären, nutze ich bei weitem nicht aus. Dafür ist es ohne Probleme möglich, hin und wieder in die Box zu kommen, um etwa den Luftdruck zu richten oder sich die Nase zu pudern, ohne Angst zu haben, wertvolle Minuten zu verpulvern, die man auf der Strecke nutzen könnte.

Entspannte Atmosphäre in erstklassigem Wohlfühl-Ambiente

Die Zeit, die man nicht auf der Strecke ist, verbringt man bei Trackdays ja häufig mit Benzingesprächen mit Bekannten, Freunden und anderen Fahrern. Bei All4Track geht das besonders gut. Entweder in der gemütlich und geschmackvoll konzipierten Lounge, die zudem mit Top-Takeaway-Catering punktet, oder auf den Sonnenstühlen in der Boxengasse. Die Atmosphäre ist mega-entspannt. Anna und Kilian kümmern sich wirklich sehr aufmerksam um ihre Gäste. Daniel ist als Coach im Einsatz.

Weitere Services

Für den kleinen Service zwischendurch ist Trackdaysport-Partner boes motorsport im Einsatz. Ein Fotograf schießt Bilder von den Teilnehmern. Und wer das nötige Kleingeld übrig hat, bucht einen All4Track Coach (optional ab 750 Euro) oder mietet einen Porsche 991.2 GT3 oder einen Porsche Cayman 718 GT4 CS MR.

Trackday-Fakten

Veranstaltungsformat: 2 Gruppen (Street & Race), All4Track “Exclusive Driving”
Teilnehmer: max 40 Gruppe “Street” und max 25 Gruppe “Race”
Dauer: 1 Tag (09:00 – 17:00 Uhr)
Fahrzeuge: Straßenzugelassene Fahrzeuge & Rennfahrzeuge bzw. nicht zugelassene Fahrzeuge
Preis: 699 Euro für All4Track-Clubmember und 849 Euro für Nicht-Mitglieder

Trackday-Test: Das Testergebnis

Trommelwirbel! Hier kommt das Testergebnis des allerersten Trackdaysport Trackday-Tests. Und man kann es drehen und wenden, wie man will – und ich hätte für den ersten Trackday-Test lieber tief gestapelt und mit Bestnoten gegeizt -, aber All4Track hat sich mit dem Event in fast allen Bereichen Top-Bewertungen verdient. Zur Einordnung der Fahrzeit-Bewertung: Bei über drei Stunden Fahrzeit gibt es nichts zu meckern. Gemessen an Open-Pitlane-Formaten können wir hier allerdings keine Bestwertung vergeben.

Organisation:
Trackdaysport Test 5 Sterne
5/5 Sterne

Betreuung:
Trackdaysport Test 5 Sterne

5/5 Sterne

Catering:
Trackdaysport Test 5 Sterne

5/5 Sterne

Atmosphäre Off Track:
Trackdaysport Test 5 Sterne
5/5 Sterne

Fahrzeit:
Trackdaysport Test 3 Sterne
3/5 Sterne

On Track Erlebnis:
Trackdaysport Test 5 Sterne
5/5 Sterne

Gesamt:
Trackdaysport Test 5 Sterne
5/5 Sterne

Disclaimer: Trackdaysport wurde von der All4Track AG zu diesem Event eingeladen. Dies hat selbstverständlich keinen Einfluss auf die Bewertung des Trackday-Tests und unsere redaktionelle Berichterstattung.

All4Track „Exclusive Driving“ Impressionen