Interview mit Daniel Schwerfeld und Kilian Weitz von der all4track AG

Daniel Schwerfeld und Kilian Weitz sind seit fast 20 Jahren in der Motorsport- und Trackday-Szene aktiv. Mit der all4track AG bringen sie offiziell seit letztem Jahr frischen Wind in die Branche. Was sie alles im Angebot haben, wie sie arbeiten und wie sie ticken, lest ihr im folgenden Interview.

Daniel, Kilian, verratet unseren Lesern doch bitte einmal kurz euer Konzept hinter all4track!

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Daniel:
Wir arbeiten mit der all4track AG im Wesentlichen in zwei Geschäftsbereichen. Zum einen veranstalten wir im eigenen Namen der all4track AG hochwertige Events wie Trackdays, Sportfahrer- und Drifttrainings in ganz Europa. Zum anderen betreiben wir Europas größten und aktuellsten PKW Trackday-Kalender mit über 1.500 Terminen pro Jahr. Aktuell entwickeln wir diesen Kalender weiter, um binnen 2020 der Szene eine vollumfängliche Buchungsplattform zur Verfügung zu stellen.

Bild: all4track AG

Kilian:
Wir arbeiten mit unterschiedlichsten Partnern aus der Szene zusammen, die bei uns eine weitere Möglichkeit haben, ihre Veranstaltungen weltweit zu vermarkten. Die Kunden haben auf all4track.de die Möglichkeit, Veranstalter-übergreifend Trackdays, Sportfahrer- und Drifttrainings auf einer „one stop-shop all“ Plattform zu buchen. Kunden finden hier zukünftig alles rund um Events auf Rennstrecken – ob buchbare Veranstaltungen, Dienstleistungen wie Coaching und Mietwagen oder Produkte wie Helme, Rennanzüge etc.. Wir wollen mit der Seite langfristig für mehr Transparenz in dem weitestgehend unüberschaubarem Trackday-Markt sorgen.

Bleiben wir erstmal bei den Trackdays: Wie grenzt ihr euch von anderen Trackday-Veranstaltern ab?

Kilian:
Die Strecken fahren wir bei unseren Trackdays natürlich auch nicht anders herum. Einer der wesentlichen Abgrenzungsfaktoren ist das Veranstaltungsformat. Hier gehen wir teilweise neue Wege. Formate wie „open pitlane“ auf dem Bilster Berg mit nur 36 Teilnehmern, reinrassige Renntrainings mit sehr streng limitierten Teilnehmerzahlen oder die Masterclass Nordschleife, eine Mischung aus geführtem und freiem Fahren in kleinen Gruppen mit jeweils zwei Instruktoren pro Gruppe.

Daniel:
Die Freiheit, individuell entscheiden zu können, wann man rausfährt und wann man Pausen einlegt, das ist unseren Kunden sehr wichtig. Viele Leuten wollen sich durch „Gruppen fahren“, oder „regulated Pitlane“ nicht einschränken lassen. Ganz allgemein wollen Trackday-Kunden an einem Tag an der Rennstrecke schnelle und reibungslose Abläufe. Dazu gehört z.B. eine schnelle Akkreditierung. Was die Preise angeht, sind wir, bis auf ein paar Ausnahmen, auf dem Niveau unserer Wettbewerber. Für ähnliche Preise wollen wir aber klare Mehrwerte für die Teilnehmer schaffen. Häufig sind es die Kleinigkeiten, die nicht viel kosten, deren Wirkung aber umso größer ist.

Kilian:
Es ist die Liebe zum Detail die uns sicherlich charakterisiert. Wir versuchen, eine besondere Atmosphäre, Service und Vor-Ort-Betreuung zu schaffen. Aus dem Grund sind wir bei unseren Events mit sehr viel Personal am Start. Das Wertvollste, was der Kunde mitbringt, ist seine Zeit. Er hat es verdient, die größte Wertschätzung seiner Person in jeglicher Form zu bekommen. Wir fokussieren uns deshalb auf Kleinigkeiten, die zeigen sollen, dass sich da jemand Gedanken gemacht hat. Stell Dir vor, wir empfangen Dich, unseren Kunden, in der Regel in der all4track Lounge  – es läuft gute Musik, es riecht nach Popcorn, unsere Mitarbeiterinnen servieren Dir einen leckeren Kaffee, später grillen wir und Du kannst in den Pausen zwischen den Stints sogar Rennsimulator fahren. Es ist nicht nur das Fahren auf der Strecke das den Tag zu einem gelungenen Tag macht.

Unser Ziel sind zu 100 Prozent zufriedene Kunden. Überspitzt gesagt, soll selbst der Kunde, der sein Auto in der Parabolica aufs Dach gelegt hat, am Ende des Tages sagen, dass es trotzdem ein tolles Event war.

Kilian Weitz (Mitte). Bild: all4track AG

Wo du es ansprichst: Ein wichtiges Thema bei Trackdays ist immer auch die Sicherheit. Wie wichtig ist euch das Thema und wie gewährleistet ihr Sicherheit auf euren Events?

Daniel:
Die Sicherheit  und das Wohlergehen unserer Kunden steht bei uns immer an erster Stelle. Wir arbeiten stets mit dem bestmöglichen Sicherheitspaket der Rennstrecken. Bei unseren Events, wo Rennfahrzeuge zugelassen sind, geben wir vor, dass das Tragen eines HANS System Pflicht ist.

Kilian:
Dazu gehört insbesondere eine begrenzte Anzahl an Teilnehmern sowie ein homogenes Teilnehmerfeld, sowie bei einigen Events die klare Trennung von Straßen- und Rennautos. Optional haben Kunden die Möglichkeit, aus unserem Pool an professionellen Instrukteuren sich zusätzliche Sicherheit an Board zu buchen. Ob Fahrer aus den nationalen und internationalen Rennserien wie der GT-Masters, NLS, etc. oder Instrukteure aus der Automobil-Industrie – Safety first ist hier der Leitsatz.

Wie lief euer erstes Jahr?

Kilian:
Zählt man 2019 als unser erstes Jahr, so haben wir es komplett für den Aufbau und die Schaffung von Strukturen genutzt. 2020 ist unser erstes Jahr in der aktiven Planung und Umsetzung von Events, also unser operatives Tagesgeschäft. Wir haben viel Liebe und viel Hirnschmalz in die all4track AG gesteckt. Was uns schon jetzt gelungen ist: Die Mehrwerte für unsere Kunden zu schaffen, die wir realisieren wollten

2020 steht nach wie vor ganz im Zeichen der COVID-19-Pandemie. Wie ist es euch bislang ergangen und was können Trackday-Fahrer in diesem Jahr von euch noch erwarten?

Kilian:
Auch wenn durch die COVID-19 Pandemie einige unserer Termine abgesagt werden mussten, wir sind nach wie vor mit Vollgas dabei. Wir haben die „Zwangspause“ genutzt und in enger Abstimmung mit den Rennstrecken an neuen, COVID-19-konformen Veranstaltungsformaten gefeilt. So konnten wir im Mai den ersten Publikums-Trackday auf dem Hockenheimring durchführen. Der Plan für das weitere Jahr sieht ganz klar vor, so viele Termine unserer ursprünglichen Planung umzusetzen, um der Trackday-Szene zu einer neuen Form der Normalität zu verhelfen.

Ein spannendes Thema bei Trackdays sind immer die Preise: Verratet ihr uns, wie bei euch die Preise zustande kommen?

Kilian:
Das kann ich dir ganz transparent sagen: Jede Strecke kostet einen Betrag x für die Miete. Dem Streckenbetreiber ist es dabei egal, ob ich mit einem oder mit 50 Teilnehmern komme. Wenn ich in Gruppen fahren lasse, kann ich die Kosten besser umlegen. Aber das Fahren in Gruppen geht natürlich immer zu Lasten der Teilnehmer-Fahrzeit. Hinzu kommen weitere Angebote wie ganztägiges Catering, Driver’s Dinner, Coaching-Angebote, Hotels etc. Das Preisthema definiert sich also zusammengefasst über das Veranstaltungskonzept, die Streckenmiete und Add-Ons.

Für uns geht es dabei nie um den maximalen Umsatz, sondern um zufriedene Teilnehmer, die in der Szene die beste Werbung sind. Gerade für uns als Start-Up ist es extrem wichtig, dass die Szene so schnell wie möglich erfährt, was der Mehrwert bei unseren Veranstaltungen ist!

Welche Kriterien habt ihr für die Auswahl eurer Rennstrecken?

Daniel:
Für uns sind immer zwei Faktoren ausschlaggebend: Ein hoher Fun-Faktor und ein hoher Sicherheitsstandard. Wenn der Sicherheitsaspekt nicht gegeben ist, dann lassen wir die Finger davon.

Kilian:
Bei der Gelegenheit darf ich erwähnen, dass wir 2020 Zandvoort im Kalender haben. Es gibt kaum eine Strecke in Europa, die so viel Flair und Atmosphäre hat, was natürlich auch an der unmittelbaren Nähe des Strandes und der Strandbars liegt. Zudem hat die Strecke durch den Umbau und die Rückkehr der Formel 1 ein zusätzliches Maß an Attraktivität gewonnen.

Daniel Schwerfeld. Bild: all4track AG

Lasst uns mal einen Blick in die Zukunft wagen: Wo steht all4track im Jahr 2025?

Kilian:
Unsere Vision ist es, Europas größtes Buchungs- und Shoppingportal für die Trackday- und Motorsport-Szene zu sein, bei dem alle Event- und Ticket-Buchungen zentral über unsere Plattform getätigt werden können. Wir wollen die zur Zeit noch sehr analog geprägte Trackday-Szene in die digitale Welt bringen.

Das waren spannende Einblicke in eure Arbeit. Verlassen wir mal all4track. Was ist eurer Meinung nach das perfekte Trackday-Auto?

Daniel:
Ich würde sagen: Generell ein Auto, das sich gut fahren lässt. Fahrbarkeit und Sicherheit müssen gewährleistet sein und eine gewisse Standfestigkeit sollte auch gegeben sein. Dann ist es fast egal, was für ein Auto es ist. Das Gesamtpaket muss einfach passen. Fahrzeuge mit wenig Leistung können genau so Spaß machen, wie Fahrzeuge mit viel Leistung. Das Problem mit den meisten Autos „von der Stange“ ist: Wenn du sie regelmäßig auf der Rennstrecke bewegst, dann leidet das Material enorm und der Spaß kann schnell zu Ende sein.

Durch meine Arbeit als Personal Track Coach (PTC) habe ich bereits das Glück gehabt, mit den verschiedensten Fahrzeugtypen fahren zu dürfen. Zu meinen Favoriten zählen die Porsche GT Modelle sowie die BMW Fahrzeugumbauten bzw. Setups von Manthey Racing (Raeder Motorsport), Philipp Weber und Schirmer Racing. Aber auch kleine Serien wie die Viper ACR haben es mir angetan. Nicht ohne Grund war dieses Fahrzeug bereits mehrfach beim Tuner GP in Hockenheim ganz vorne mit dabei.

Über Zandvoort haben wir vorhin schon kurz gesprochen. Was sind denn eure Lieblingsrennstrecken?

Daniel:
Die anspruchsvollste Strecke ist sicherlich die Nürburgring-Nordschleife. Das ist aber eine Frage, die jeder Fahrer für sich selbst beantworten muss. Ich finde zum Beispiel Portimao top. Das ist eine super Strecke mit einer tollen Topografie, eine kleine Achterbahn. Nicht ohne Grund bespielen wir diese Strecke auf unseren Winter Trackdays.

Kilian:
Ich finde auch Ascari hervorragend. Die Strecke hat eine tolle Atmosphäre und bietet einen hohen Wohlfühl-Charakter. Zudem ist Ascari technisch sehr anspruchsvoll, was es auch nach vielen Runden nicht langweilig werden lässt.

Daniel:
Stimmt, Ascari hat eine tolle Streckenführung. Die Rennstrecke von Spa-Francorchamps ist selbstverständlich auch eine super Strecke und gehört zu den besten Tracks der Welt. Für mich bleibt aber die Nordschleife das Nonplusultra.

Wenn ich im Ausland fahre, habe ich manchmal den Eindruck, dass da etwas wilder gefahren wird, als bei uns in Deutschland. Wie schätzt ihr das fahrerische Niveau in der deutschen Trackday-Szene ein?

Daniel:
Ich finde, dass das fahrerische Können in Deutschland bereits ein höheres Niveau hat. Dennoch sollte man das Fahren auf dem Track nie unterschätzen. Man lernt halt nie aus. Selbst der Profi geht regelmäßig trainieren und versucht sich zu verbessern. Da kann es einem Amateurfahrer erst recht nicht schaden.

Kilian:
Wir würden uns aber freuen, wenn die Kunden mehr in die Schulung der eigenen Fähigkeiten investieren würden und sich Unterstützung vom Profi holen. In den USA ist es absolut üblich, das Gentleman-Driver einen persönlichen Instruktor haben – davon sind wir in Europa leider weit entfernt.

Daniel:
Das stimmt, viele Leute investieren einfach massiv in ihr Auto und weniger in sich selbst. Manchmal braucht es einfach professionellen Input. Ein Beispiel: Ob ein Auto ins Rutschen gerät, kann mehrere Ursachen haben. Zu früh am Gas, zu schnelles Tempo, falsche Linie, schlechtes Material, oder gar ein schlechtes Setup. Das alles sind Dinge, die unsere Coaches sehen und bei einem Personal Track Coaching (PTC) gemeinsam mit dem Kunden ermitteln und optimieren.

Der Vorteil in der Arbeit mit professionellen Coaches und Rennfahrern ist übrigens auch, dass sie Empfehlungen aussprechen, was das Material und mögliche Optimierungen angeht. Man bekommt neben dem Coaching auch noch eine Beratung als Add-on.

Welche Tipps habt ihr für Trackday-Anfänger?

Kilian:
Hört immer auf euren Selbsterhaltungstrieb und seid geduldig. Das Ego sollte beim sportlichen Fahren immer hinten angestellt werden.

Daniel:
Informiert Euch gut, bevor ihr einen Trackday in Angriff nehmen wollt. Wir stehen Euch jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Orientiert Euch grundsätzlich an der Regel „weniger Teilnehmer = mehr Sicherheit“.

In unserer Szene durchaus polarisierend: Wie steht ihr zum Thema umweltfreundlicher Motorsport und E-Mobilität?

Kilian:
Wir sind uns der Verantwortung, die wir als Veranstalter haben, sehr bewusst. Die Gesellschaft ist erfreulicherweise sensibler geworden, wenn es um das Thema „Umweltverschmutzung“ geht. Die Entwicklung der Fahrzeugindustrie leistet hier gute Arbeit. Als Veranstalter haben wir uns Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben – das bedeutet zum Beispiel, das wir zukünftig Umweltprojekte unterstützen, um einen Beitrag zur CO2-Neutralität zu leisten.

Daniel:
Wir stehen den verschiedenen Antriebsformen offen gegenüber und können uns auch vorstellen, spezielle Formate für alternative Antriebe zu schaffen.

Kilian:
Wichtig ist, dass die Emotionen nicht verloren gehen. Wir sehen aber auch andere Antriebsformen vor der E-Mobilität…