Michael Watzi | Tracktool: Ford Escort RS Cosworth

Im zarten Alter von gerade einmal sechs Jahren mit dem Cosworth-Virus infiziert, hat sich Michael Watzi – ein paar Jahre älter – seinen Jungentraum erfüllt. 2009 übernahm der KFZ-Technikermeister einen Ford Escort RS Cosworth, der in den folgenden Jahren eine spektakuläre Veränderung erfahren sollte. Wie umfangreich die Veränderungen waren, zeigt die Reaktion von Micha auf meine Bitte, doch einmal alle Optimierungen aufzulisten: „Willst du wirklich alles wissen? Dann wird’s nämlich echt viel“. Wir konzentrierten uns fortan also aus Zeitgründen auf die wichtigsten Veränderungen.

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Der Fahrer: Michael Watzi

Name: Michael Watzi
Alter: 37
Wohnort: Sindelfingen
Beruf: KFZ-Technikermeister
Webseite/Social Media: Facebook: Michl Watzinger

Das Auto: Ford Escort RS Cosworth

Basis:

Fahrzeug und Baujahr: Ford Escort RS Cosworth
Motor: Cosworth 2,0 16V Turbo
Im Besitz seit: 2009

Optimierungen:

Motor: Kompletter Neuaufbau mit:

– Block neu gebohrt

– Mahle Motorsport Haupt-und Pleuellager

– ARP Schrauben/Bolzen etc.

– Wahl/Mahle Schmiedekolben mit Ventiltaschen, Einzelanfertigung

– H-Schaft Pleuel

– WRC Metallkopfdichtung / Umbau auf Stehbolzen

– Kopf bearbeitet, neue EV + AV

– Gr. A Turbolader mit Maram247 Abgasturbinenrad (wg. ALS-Betrieb),

– Ölversorgung durch Accu-Sump gepuffert

– Ölwanne mit WRC Schwallsperre und „Öhrchen“ für erhöhten Ölhaushalt

– HD Ölpumpe + 19 Reihen Ölkühler

– 3″ Abgasanlage komplett

Getriebe:

– Gerade verzahntes Renngetriebe, klauengeschalten (DogBox) mit Schaltwegverkürzung

– verstärkte Antriebswellen vorne

– 7″ R&D Diff vorne mit Sperre

– Diff hinten mit Quaife Sperre

– Mitteldiffsperre mit erhöhter Sperrwirkung

usw usw usw 🙂

Fahrwerk: – HA starr gelagert, Querlenker HA mit Powerflex Black Buchsen

– VA Querlenker/Schubstreben/Schwertstabi/Crossmember alles original GrA und voll einstellbar, gesamte Lagerung in Uniball

– H&R Motorsportfahrwerk, Einzelanfertigung mit Coil-Over Federbeinen auch an der Hinterachse, einstellbar

– Uniball-Domlager, einstellbar

Bremsen: – VA AP 6-Kolbenzangen auf 360-mm-Scheiben

– HA originaler Sattel mit Adaptern und 300-mm-Scheiben

– rundum Ferodo DS2500

– Stahlflex komplett

Räder & Reifen: 8×18 ET15 rundum, wahlweise Compomotive oder Speedline, aktuell Michelin Sport Cup 2 / Pirelli PZ4
Karosserie: kompletter Neuaufbau, Seitenwände hinten 1″ auf WRC-Maß ausgestellt, WRC-Kotflügel, Stoßfänger und Heckflügel
Lenkrad: 60mm geschüsseltes Sparco
Sitze und Gurte: Recaro Pole Position in Verbindung mit Schroth/Sandtler 3″ 6-Punkt Gurten, am Käfig geschlauft
Sicherheit/Käfig: – Herrmann Motorsport Sicherheitszelle, eingeschweisst, mit doppelter Anbindung an die Federbeindome vo.

– eingeschweisste Querstreben zur Sitzschienenbefestigung

– fest installierte Feuerlöschanlage

– zusätzlicher Handlöscher

Michael im Interview

Micha, dein Auto ist ja durchaus nicht unauffällig. Warum hast du dich für einen Ford Escort entschieden? Und vor allem: Warum für dieses Design?

Ich habe mich 1988 als 6-jähriger Bub bei einem DTM-Rennen mit dem Cosworth-Virus infiziert und seitdem den Wunsch, ein solches Fahrzeug zu besitzen. Da ein originaler Gruppe A RS500 Sierra im Einstieg ungefähr bei 200.000€ liegt, ist es halt „nur“ der Escort geworden.

Wo setzt du dein Auto ein: Nur bei Trackdays oder auch bei Rennen?

Bei Rennen weniger aber durchaus auf Trackdays und auch GLPs. Oder auch einfach so zum Rumfetzen auf kurvigen Straßen, ist ja normal zugelassen, der Koffer.

Hast du das Auto selbst aufgebaut?

Ja. Wir haben das Auto, bis auf die Lackierung und die Zelle, komplett selber aufgebaut.

Wie bist du zum aktiven Motorsport gekommen und wann war das?

Mit sechs Jahren, also 1988, habe ich angefangen, Kart-Slalom-Rennen zu fahren, sogar gar nicht mal so schlecht. In der Lehre hat es sich dann ein wenig verlaufen, mit 20 oder 21 hat mich ein Freund dann eine Runde auf der Nordschleife mitgenommen, danach war die Infektion wieder da. 2002/2003 war ich als Mechaniker im Renault Clio Cup tätig, nebenher immer wieder auf Tourifahrten oder Trackdays unterwegs. Irgendwann hab ich dann die Nationale A-Lizenz gemacht und fahre seitdem regelmäßig mit dem Cossie Trackdays und GLPs.

Welches war dein erstes Tracktool?

Das war ein Peugeot 206 RC.

Auf welchen Strecken bist du schon gefahren?

Auf dem Nürburgring, sowohl GP-Strecke als auch Nordschleife. In Hockenheim, Anneau Du Rhin und Oschersleben.

Warum fährst du überhaupt auf Rennstrecken? Was gibt dir das?

Mich reizt die Möglichkeit, das, was man am Auto verbessert hat – oder eben auch nicht – zu testen und auszuprobieren. Außerdem empfinde ich es für mich als Ansporn, an mir selber zu arbeiten: Kurventechnik, Linie und auch allgemein die Fahrzeugbeherrschung zu optimieren.

Wie oft bist du an der Rennstrecke?

Das ist sehr unterschiedlich, im Schnitt aber fünf Mal im Jahr.

Wie bereitest du dich auf deine Rennstreckenbesuche vor?

Schauen, dass das Auto technisch perfekt ist und die feuerfesten Unterbuchsen waschen…

Gibt es irgendwelche Pläne für die Zukunft?

Mein nächstes Plan-Ziel ist es, in Spa-Francorchamps zu fahren. Mal sehen, ob das 2020 klappt…

Schaust du dir Onboard-Aufnahmen anderer Fahrer an?

Nur von Renn-Profis oder Instruktoren zur Linienfindung, wenn mir eine Kurve mal so gar nicht liegt oder sie vom Gefühl her viel schneller gehen würde. Da suche ich mir schon mal das eine oder andere Onboard raus, ja.

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Michael Watzi.