Mercedes-AMG: Bald nur noch elektrifizierte Sportwagen

Mercedes-AMG ist seit einigen Jahren wirtschaftlich extrem erfolgreich. 2017 und 2018 verkauften die Affalterbacher jeweils über 100.000 Fahrzeuge. Zudem startete das Unternehmen eine umfangreiche Produktoffensive mit dem Mercedes-AMG A35 als neuem Einstieg in die AMG-Markenwelt. Doch für AMG-Boss Tobias Moers ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Das Thema Elektrifizierung steht ganz oben auf der Agenda von AMG. Was wir erwarten dürfen, hat Moers im Interview mit der Fachzeitschrift Automobil-Industrie verraten.

Mercedes-AMG-Chef Tobias Moers

Der elektrifizierte Antriebsstrang ist wohl zwangsläufig ein Thema, mit dem sich Mercedes-AMG befassen muss. Denn auch die Performance-Sparte der Daimler AG muss innerhalb des Konzerns ihren Beitrag zur Erreichung der CO2-Zielwerte leisten, wie der Vorsitzende der Geschäftsführung der Mercedes-AMG GmbH verrät. Und das scheinen keine leeren Phrasen zu sein. Moers: „In absehbarer Zukunft wird es keinen Produktanlauf bei AMG mehr geben, der nicht elektrifiziert ist.“

Dass sich dies abzeichnen würde, konnte bereits 2017 erwartet werden. Auf dem Genfer Auto-Salon zeigten die Affalterbacher das Showcar Mercedes-AMG GT Concept, das einen V8-Ottomotor mit einem leistungsstarken Elektromotor kombinierte. Systemleistung: Über 800 PS. Mit dem Mercedes-AMG ONE wurde das Konzept weiterverfolgt: Das 1000-PS-Hypercar mit Formel-1-Hybrid-Technologie wird allerdings bis auf Weiteres das letzte seiner Art bleiben. Aber: „Wir lernen mit dem Hypercar neue Technologien zu verstehen, um sie sukzessive in anderen Baureihen auszurollen“, erklärt Tobias Moers.

Hypercar mit Formel-1-Hybrid-Technologie: Der Mercedes-AMG One

Wie das aussehen kann, zeigt sich ab 2020: Dann kommt der AMG GT Viertürer mit einem Plug-In-Hybrid. Danach dürfte es nicht lange dauern, bis die weiteren Baureihen unterhalb des AMG GT mit AMG-Performance-Hybrid-Systemen ausgestattet werden.

Laut Tobias Moers bieten sich mit Hybrid neue Möglichkeiten: „Bei einem Hybrid kann man ja beide Antriebsarten nutzen. Außerdem schafft der Hybrid Raum für Ideen und Kreativität, wie sich ein Antrieb anders darstellen lässt. Aktuell sehe ich im Performance-Segment keine andere Lösung als elektrifizierte Antriebsstränge.“

Ab 2020 wohl auch mit Plug-In-Hybrid: Der AMG GT Viertürer

Konkret wird ein solcher Antriebsstrang aus einer elektrifizierten Hinterachse, also einer sogenannten eAchse bestehen. Und zwar in Verbindung mit einem herkömmlichen Antriebsstrang und einer Gelenkwelle vom Getriebe zur Hinterachse. Moers: „In einem solchen Konzept können wir mit drei unterschiedlichen Modi fahren – vollelektrisch, rein konventionell mit dem Verbrenner, was auf der Autobahn im Konstantfahrbetrieb nach wie vor das Effizienteste ist, und wir können durch die Kombinationen der beiden Antriebe Performance abrufen.“ Die Akkus werden dabei von Mercedes-AMG in-house entwickelt. Eine eigene Prototypenfertigung wurde bereits aufgebaut.

Der Antriebsstrang des Mercedes-AMG ONE

Trotz des Hypes um E-Autos bleibt Moers pragmatisch: „Den Verbrenner wird es im Performance-Segment noch eine ganze Weile geben.“ Trotzdem machen sie sich in Affalterbach auch Gedanken, „wie ein rein elektrischer AMG-BEV-Sportwagen künftig aussehen könnte“.

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Bilder: Daimler AG