Trackday-Bericht: Mit GP Days in Mettet

Mit GP Days ist der Trackday-Markt um einen neuen Anbieter reicher – und Mettet in Belgien war Anfang September dessen erster Trackday überhaupt. Klar, dass ich mir die Gelegenheit nicht nehmen ließ, GP Days direkt mal auszuprobieren und zum ersten Mal auf dem „Circuit Jules Tacheny“ zu fahren.

Meine Anreise verlief für meine Verhältnisse ungewohnt entspannt, obwohl ich in der Woche viel unterwegs war. Vor dem Trackday übernachtete ich unweit der belgischen Grenze im Hotel Bismarckturm in Aachen, das weniger für seinen Stil oder Ausstattung als vielmehr für seinen Preis empfehlenswert ist. Das Zimmer „im italienischen Stil“ wusste tatsächlich sehr zu gefallen. Im angeschlossenen Restaurant genehmigte ich mir noch einen schnellen Seniorenteller eine durchaus schmackhafte Portion Tagliatelle, die vielleicht eine Idee zu lange, aber vielleicht zielgruppengerecht im Kochwasser vor sich hin weichte.

Am nächsten Morgen dann früh raus und direkt nach der belgischen Grenze in eine Vollsperrung gefahren. Ein guter Start in den Tag. Der Verkehr wurde großräumig umgeleitet sich selbst überlassen – was aber immerhin einigermaßen funktionierte. Dennoch: Meine geplante Ankunftszeit konnte ich natürlich vergessen. Zum Glück hatte ich Falks Online-Briefing am Tag zuvor angesehen und war in Bezug auf Anreise und Gegebenheiten vor Ort bereits bestens im Bilde.


Für Trackday-Sportler: Unser neuer Shop!


Dieses Online-Briefing in Video-Form ist einer der Punkte, die GP Days von anderen Trackday-Veranstaltern unterscheidet. Mit diesem Format kann sich jeder Teilnehmer bequem zuhause auf der Couch oder am Arbeitsplatz auf den Trackday vorbereiten. Eine gute Idee, die eine Fahrerbesprechung vor Ort obsolet macht.

Falk, der Mann hinter GP Days (den ich auch schon im Interview begrüßen durfte), ist ein ziemlich smarter Typ, der für seine Firma einen etwas anderen Ansatz verfolgt. Als erfahrener Trackday-Fahrer möchte Falk seine eigenen Veranstaltungen nämlich so smooth wie möglich gestalten.


Die besten Tracktools: Jetzt durchklicken!


Das bedeutet auch, dass die Teilnehmer bei GP Days viel Fahrzeit und wenig Verkehr auf der Strecke erwarten sollen. „Viel Verkehr zerstört am Ende jedes Event“, erklärt Falk. „Natürlich ist das auch ein gewisses wirtschaftliches Thema, nichtsdestotrotz liegt mir aufgrund meiner Leidenschaft für das schnelle Autofahren viel daran, unsere Trackdays so zu organisieren, dass wirklich jeder Teilnehmer den Tag voll und ganz genießen kann.“

So wie heute. Gefahren wird im Open-Pitlane-Format mit maximal 20 Autos gleichzeitig auf der Strecke. Das ist sinnvoll, denn mit 2,28 Kilometern ist der Circuit Jules Tacheny jetzt nicht so wahnsinnig ausladend.

Im Fahrerlager herrscht um kurz nach 9 Uhr schon reges Treiben. Neben mir bereitet ein Trupp Belgier ihre abenteuerlich wirkenden, und an Panzer aus dem Ersten Weltkrieg erinnernden Eigenbau-Renner auf 2CV-Basis vor und muss bereits recht früh am Tag Bindemittel streuen…

PS starke Renngeräte vom Schlage eines Porsche GT3 sucht man hier vergebens. Würde auf dieser Strecke wohl auch nicht sonderlich viel Sinn machen. Dafür viele BMW, einige Japaner, mehrere Lotus und viele Kompakte. Aber genug gestaunt, jetzt geht´s auf die Strecke.

Mettet ist relativ materialmordend, sagte man mir vor dem Trackday: Ein sehr technischer Kurs, ein paar sehr enge Ecken und mit 600 Metern bietet die längste Gerade nicht viel Zeit zum Abkühlen. Und dann gibt es da noch diese Schikane „Hubin“, vor der man mich warnte – und die sich mir in der ersten Runde direkt in mein limbisches System brennen sollte.

Warum? Nun, erste Runde auf der Strecke, noch nicht ganz konzentriert, Reifen schweinekalt – kein Wunder bei 9° Außentemperatur – und festgestellt: Die Links-Rechts kommt wirklich sehr abrupt – und sehr blind. Um es kurz zu machen: Leicht durchs Kiesbett gerumpelt. Nach Runde eins also erstmal eine kurze Pause im Paddock zum Mundabwischen – und direkt wieder rein ins Getümmel.

In der Folge läuft es dann glücklicherweise deutlich besser. Erster Stint, um mich mit der Strecke vertraut zu machen, nachdem das beim ersten Versuch ja noch nicht so geklappt hatte, und Reifen auf Temperatur bringen. Und mit jeder Runde macht die nach dem aus Mettet stammenden Motorrad-Rennfahrer Jules Tacheny benannte Rennstrecke mehr Laune.

Du fuchst dich immer mehr rein in die nicht sehr schnelle aber technisch anspruchsvolle Strecke mit ihren gerade mal zehn Kurven. Nach dem harten Anbremsen auf Start-Ziel versuchst du die Dreifach-Links „Surtees-Anderson-Finlay“ in einem Radius zu durchfahren, um die folgende Rechts mit viel Schwung – und von möglichst weit links – zu nehmen. Nach einer kurzen Gerade folgt die sehr enge Haarnadelkurve „Saarinen“. Hecktriebler gehen hier gerne mal quer.

Dann die blinde, der berüchtigten Corkscrew-Kurve von Laguna Seca nachempfundene, Links-Rechts-Schikane sauber erwischen, die man über die Rattersteine knallend verlassen kann. Mit „Mertens“ folgt dann eine weitere verflixte Kurve. Die bietet erst viel Platz, macht dann aber gemein zu. Auch nicht einfach. Dann nur noch die schnelle Links „Chambon“ treffen und über die enge Links „Paquay“ wieder auf Start-Ziel. Hier geht´s in heckgetriebenen Autos auch wieder gerne quer. Dann wieder schnell aufs Gas und geschafft.

So geht das Ganze noch vier, fünf Mal. Nach fast 70 Runden muss es für heute reichen. Ich hätte zwar gerne die 100 Runden voll gemacht. Aber die Bremsbeläge haben heute richtig gelitten und müssen zurück in Deutschland getauscht werden. Auch die sehr langlebigen Michelin Pilot Sport Cup 2 haben heute etwas Gummi in Belgien hinterlassen. Also noch ein paar Fotos machen, den Luftdruck mit dem Kompressor von GP Days wieder auf Straßenverkehr-taugliche Werte bringen, mich verabschieden und ab nach Hause.

Mein Fazit ist klar: Mettet wird nicht mein letzter Trackday mit GP Days gewesen sein. Viel Fahrzeit, eine spitzen Organisation und eine absolut familiäre Atmosphäre haben den Tag in Belgien zu einem absoluten Erlebnis gemacht – eine klare Empfehlung für GP Days.