Falk Ewaldsen | Tracktool: MINI John Cooper Works GP powered by Krumm

Es ist für gewöhnlich ja nicht so, dass man allzu viele Trackday-Veranstalter in unmittelbarer Nachbarschaft Umgebung kennt. Falk Ewaldsen ist so einer. Und weil er nur ein paar Kilometer entfernt in Essen wohnt, haben wir uns auf ein alkoholfreies Bier im Bochumer Bermuda3Eck getroffen. Natürlich ging es dabei um Trackdays, sein Tracktool, ein MINI John Cooper Works GP von 2006, und um seine neue Firma GP Days.

 

Der Fahrer: Falk Ewaldsen

Name: Falk Ewaldsen
Alter: 28
Wohnort: Essen
Beruf: Unternehmensberater und seit Kurzem auch Veranstalter von Trackdays
Webseite/Social Media: www.gpdays.com

Das Auto: MINI John Cooper Works GP powered by Krumm

Basis:


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Fahrzeug und Baujahr: MINI John Cooper Works GP (R53) powered by Krumm (Bj. 2006)
Motor: 1600ccm (218ps -> ca. 230/40ps nach Optimierung)
Im Besitz seit: 2010

Optimierungen:

Motor: Krumm Perfomance Stage 2 (Schrick Nockenwelle, Kleineres Pulley, Einmassenschwungrad, Sachs Perfomance Kupplung, bearbeiteter Zylinderkopf)
Fahrwerk: KW Clubsport
Bremsen: Brembo GT
Räder & Reifen: OZ Allegeritta (17 Zoll) mit Nankang AR1
Karosserie: Ist Serie geblieben
Lenkrad: OMP Corsa / CAE Short Shifter
Sitze und Gurte: Recaro Poleposition mit Schroth 4/5 Punktgurten
Sicherheit/Käfig: Cardiff Zelle

Falk im Interview

Falk, erzähl‘ doch mal bitte, warum du ausgerechnet einen MINI fährst!

Gute Frage! Wenn ich ganz ehrlich bin, weiß ich selbst nicht mehr genau was der ausschlaggebende Punkt war, MINI zu fahren. Allerdings war schon mein erstes Auto ein MINI Cooper S (R56), also ein Auto mit Turbomotor. Nachdem ich das Auto abholen durfte, hat es, glaube ich, keine zwei Wochen gedauert und ich war das erste Mal auf der Nordschleife unterwegs – das muss so um 2009 gewesen sein, ich war gerade 18. Nach den ersten Besuchen stellte ich fest, dass das Auto im kompletten Serientrimm teilweise sehr gelitten hat. Vor allem die Bremse hat nach mehr als einer Runde einen eher wenig vertrauenerweckenden Eindruck gemacht. Da es sich um ein Leasingfahrzeug handelte, war der Spielraum für Veränderungen allerdings dementsprechend klein. Am Ende hatte ich Glück, dass ich das Auto abgeben konnte und Unterstützung von meinen Eltern erhalten habe, mein jetziges Auto gebraucht zu kaufen, einen MINI John Cooper Works GP (53), den ich jetzt seit gut 10 Jahre fahre. Klar, das Auto war ein gutes Stück älter, Baujahr 2006, hat dafür aber noch das wirkliche „Go-Kart“-Feeling und ist aufgrund des Kompressormotors viel emotionaler als seine Nachfolger. Grundsätzlich hat mir das MINI-Konzept von Anfang an gut gefallen. Persönlich macht mir das Fahren eines gut abgestimmten Fronttrieblers auch einfach enorm viel Spaß.


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Wo wurde das Auto aufgebaut oder hast du es selbst aufgebaut?

Bis auf den Käfig, der von Cardiff Motorsport in Langenfeld kommt, ist das Auto eigentlich komplett bei Krumm bzw. Krumm Performance aufgebaut worden. Man kann sagen, dass der gesamte Aufbau ein fortlaufender Prozess ist, der so wie es scheint, auch noch nicht ganz abgeschlossen ist. Ein paar kleinere Teile habe ich, sofern die Zeit es zugelassen hat, allerdings auch selbst eingebaut. Bei größeren Umbauten fehlt mir aber ganz klar die nötige Ruhe, einen wirklich guten Job zu machen. Im Zweifel ist es für andere um mich herum und für mich selber besser, wenn ich die Finger von größeren Projekten lasse. 😊

Bisher stand jedoch bei allen Umbaumaßnahmen immer die Haltbarkeit im Vordergrund. Ich habe lieber auf etwas Leistung verzichtet und mich eher auf das Setup des Autos konzentriert, um am Ende ein wirklich rundes Paket zu erhalten. Allerdings muss ich ehrlich sein, speziell in der letzten Zeit haben einige Zuverlässigkeitsprobleme zu großer Frustration geführt. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass ich in den letzten Jahren deutlich weniger gefahren bin als früher und das Auto leider Gottes sehr viel in der Garage stand. Das wird sich aber hoffentlich bald wieder ändern!

Wie bist du zum aktiven Motorsport gekommen und wann war das?

Meine Mutter hat mich wahrscheinlich schon im Kindesalter mit dem Autovirus infiziert. Allerdings ist der Virus dann erst so richtig ausgebrochen, als ich mit ungefähr 13 das erste Mal eine richtige Outdoor-Kartstrecke besucht habe. Von da an ging es dann so richtig los. Ich konnte nicht mehr wirklich an andere Sachen denken, als endlich wieder auf der Strecke zu sein. Nach kurzer Zeit stand dann auch das erste eigene Kart in der Garage und es wurden mehr und mehr, oft auch grenzüberschreitende Rennen gefahren. Als dann die Schulzeit zu Ende ging und das Studium vor der Tür stand, habe ich wohl oder übel aufgehört. Das war aber nicht der einzige Grund. Zusätzlich wurde es auf der einen Seite sehr, sehr teuer, je weiter man vorangeschritten ist, auf der anderen Seite hat sich aber auch abgezeichnet, dass ich vermutlich auch nicht viel weitergekommen wäre. Ob es jemals für den Sprung in den professionellen „Autosport“ gereicht hätte, weiß ich nicht. Ich rede mir lieber immer ein, dass mein größter Nachteil der vergleichsweise späte Einstieg in den Sport war.

Mit dem Motorsport war es trotz alledem in keinster Weise vorbei, einzig das „Wie“ hat sich geändert. Heute versuche ich einfach so oft wie möglich an diversen Trackdays teilzunehmen und seit Kurzem auch meine ersten eigenen Events zu organisieren, um dem Motorsport auch noch auf einer anderen Ebene näher zu kommen. Mit „GP Days“ möchte ich in der Zukunft ein fester Bestandteil der Trackdayszene werden – und wer weiß, wo die Reise dann von da aus hingeht.

Auf welchen Strecken bist du schon gefahren?

Zu Anfang gab es eigentlich nur die Nordschleife und die Nürburgring-GP-Strecke. Danach hat es sich allerdings immer mehr in Richtung diverser Trackdays entwickelt. Meine absolute Lieblingsstrecke ist definitiv Spa. Mit Mut-Ecken wie Eau Rouge, Radillon oder Blanchimont und sehr technischen Passagen hat die Strecke einfach alles, was das Fahrerherz begehrt. Daneben war ich auch immer viel in Zandvoort und Zolder unterwegs. In der letzten Zeit habe ich dann auch kleinere Strecken wie Mettet in Belgien entdeckt. Da die Runden dort kürzer sind, erkennt man dort sehr schnell inwieweit sich kleinere Änderungen der Fahrweise oder Linenwahl auswirken. Bei den Geschwindigkeiten meines MINIs dauert eine Runde in Spa schon deutlich länger!

Was gibt dir das Rennstreckenfahren?

Es ist einfach meine größte Leidenschaft. Da in meinem Beruf als Unternehmensberater meist erwartet wird, dass man rund um die Uhr erreichbar ist, ist die Zeit im Auto auf der Strecke einer der wenigen Momente, in denen man völlig abschalten kann und es nur noch die verschiedenen Kurvenkombinationen vor einem gibt. Für E-Mail oder WhatsApp pings gibt es keine Zeit. Es macht mir auch einfach Spaß, an meiner Fahrtechnik zu feilen und zu schauen, wie ich mich über den Verlauf eines Trackdays immer weiter verbessern kann. Zudem hatte ich immer das Glück, dass auch meine engsten Freunde das gleiche Hobby teilen. Da wir in Deutschland verstreut wohnen, ist ein Trackday auch immer ein schöner Anlass sich wieder zu treffen.

Wie oft bist du auf der Rennstrecke?

Früher waren es sicherlich mehrere 100 Runden Nordschleife im Jahr und ein paar Trackdays. In den letzten drei bis vier Jahren hat aufgrund meines Berufs und Familie die Zeit etwas gefehlt, sodass es am Ende immer nur einige wenige Trackdays im Jahr waren. Das soll sich aber auf jeden Fall zeitnah ändern.

Und wie bereitest du dich auf Rennstreckenbesuche vor?

Ganz ehrlich? Gar nicht so wirklich. Ich schaue mir die wichtigsten Teile (speziell die Bremsen und Reifen) einmal genau an und packe die wichtigsten Sachen, die ich brauche, einen Tag vorher in meinen Rucksack. Außerdem gucke ich mir meistens nochmal einige Videos an, um den Streckenverlauf zu verinnerlichen.

Nutzt du Kameras oder Telemetriegeräte?

Ja, eine GoPro ist eigentlich immer an Bord. Ich bereue etwas, dass ich selten Telemetrie oder Apps habe mitlaufen lassen, um meine Runden im Nachgang zu analysieren. Ein passendes und gut zu handhabendes System zu finden, steht definitiv auf der Liste, um das Fahren dahingehend zu professionalisieren, dass ich mich in der Zukunft gezielt weiterentwickeln kann.

Schaust du dir Onboard-Aufnahmen anderer Fahrer an?

Klar! Manchmal auch gefühlt viel zu oft bzw. zu lange. Da ich bisher selten mit Telemetriedaten gefahren bin, gucke ich mir gerne Videos von Fahrern ähnlicher Autos an, um für mich selbst zu sehen wie gut ich auf den Strecken unterwegs war.

Du hast es ja schon erwähnt: Du bist jüngst mit GP Days unter die Trackday-Veranstalter gegangen. Wie kam es dazu?

Das war eigentlich ein schleichender Prozess. Die Idee hat mich mal mehr mal weniger umgetrieben. Als ich dann zuletzt im März 2019 einen Trackday in Spa besucht habe, gab es doch einige Punkte, bei denen ich mir gedacht habe – das müsste eigentlich besser gehen! Dann ging eigentlich alles relativ schnell. Kurz danach habe ich mich mit den Betreibern der Rennstrecke von Mettet getroffen, um ein Gefühl dafür zu kriegen, was es braucht, um einen Trackday zu organisieren. Danach folgten weitere Gespräche mit anderen Streckenbetreibern, die Idee reifte weiter und Ende April/Anfang Mai 2019 habe ich GP Days dann offiziell gegründet.

Die Saison war im Mai natürlich schon in vollem Gange und obwohl ich mich schnell dazu entschieden hatte, Mettet als Strecke für unseren ersten Trackday zu nutzen, war die Terminfindung nicht ganz so einfach. Viele Daten waren zu diesem Zeitpunkt natürlich schon vergeben. Einzig im September war noch ein Freitagsslot frei. Das ist zwar speziell für die erste Veranstaltung gefühlt wenig Vorlauf (vor allem, weil wir ja ein kompletter Newcomer sind), allerdings muss man ja auch irgendwann einfach mal anfangen!

Obwohl die Arbeitsbelastung in den ersten Monaten extrem hoch war bzw. ist, macht es mir vor allem Spaß, mehr und mehr mit verschiedenen Trackdayfahrern in Kontakt zu kommen und tiefer in die Szene einzusteigen. Außerdem unterstützt mich meine Frau, die ich so langsam aber sicher auch mit dem Motorsportvirus infiziere, mehr und mehr im Aufbau von GP Days.

Du hast ja nun eine gewisse Konkurrenz in dem Bereich. Wie willst du dich gegenüber den etablierten Anbietern abgrenzen?

Klar gibt es einige andere Anbieter, ich bin mir jedoch unsicher ob ich diese als Konkurrenz bezeichnen würde/möchte. In gewisser Weise bedient ja jeder von uns eine Nische, bestimmte Strecken, bestimmte Fahrzeugtypen etc., wobei ich glaube, dass wir dort alle unseren Platz einnehmen können. Zu einigen Punkten kann bzw. möchte ich an dieser Stelle noch gar nicht soviel sagen, aber ich zähle einfach einmal die Punkte auf, die uns momentan am wichtigsten sind:

1. Das Erlebnis. Das fängt bei der Buchung eines Trackdays über unsere Website an. Mit unserem modernen Interface soll es einfach und schnell gehen, egal ob man gerade zu Hause am PC oder unterwegs am Handy oder Tablet sitzt. Dazu gehört für uns auch, eine große Auswahl an Zahlungsmethoden zur Verfügung zu stellen. Ebenfalls möchten wir die gesamten administrativen Prozesse so einfach wie möglich gestalten. Unser kurz- bzw. mittelfristiges Ziel ist, den Prozess von der Buchung bis zur ersten Auffahrt zur Strecke voll zu automatisieren. Das bedeutet, dass die Teilnehmer nur noch auf an die Strecke kommen müssen und Ihre Startnummern und Armbändchen abholen. Ohne Warten und Papierkram. Momentan sind wir hier noch etwas dabei uns zu sortieren und herauszufinden, inwieweit alle weiteren Ideen die wir haben auch wirklich zeitnah technisch umsetzbar sind, deshalb möchte ich an dieser Stelle noch nicht zu viel verraten.

Auch bei Sachen wie unseren Stornierungsregeln möchten wir unseren Teilnehmern so gut wie möglich entgegenkommen und transparent sein. Wir sind alle Menschen und nicht immer läuft alles nach Plan. Es ist auch kein Problem, die Tickets am Ende auf jemand anderen umzuschreiben, falls man einen Termin nicht wahrnehmen kann. Falls einmal alle Stricke reißen, kann man immer mit uns reden –unser Ziel ist es, alle Fragen so schnell wie möglich zu beantworten oder für Probleme die einfachste Lösung zu finden.

2. Internationalität. Von Anfang hatte ich immer den Wunsch, GP Days als Plattform zu nutzen, um speziell Fahrer aus den Nachbarländern während unserer Trackdays zusammenzubringen und eine richtige europäische Community auf die Beine zu stellen. Schon jetzt haben wir oft Kontakt zu vielen Fahrern aus den Beneluxländern, die extrem Trackday-verrückt sind. Um die Community weiter zu unterstützen und die Gespräche abseits der Strecke etwas anzuspornen, wollen wir bei unseren Trackdays immer versuchen, dass die Teilnehmer mit schönen Bildern und Videos ihre Erlebnisse im Nachgang mit ihren Freunden teilen können. Das bedeutet natürlich auch, dass wir unsere Website neben English und Deutsch, zeitnah noch in andere Sprachen übersetzen werden.

3. Freude am Fahren. Ein Punkt, den wahrscheinlich jeder Organisator für sich vereinnahmt. Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich über die Jahre hinweg als Teilnehmer an verschiedenen Trackdays eine wirklich wichtige Erfahrung gemacht habe, die meiner Meinung nach über den Erfolg oder Misserfolg eines Trackdays entscheidet: Viel Verkehr zerstört am Ende jedes Event. Natürlich ist das auch ein gewisses wirtschaftliches Thema, nichtsdestotrotz liegt mir aufgrund meiner Leidenschaft für das schnelle Autofahren viel daran, unsere Trackdays so zu organisieren, dass wirklich jeder Teilnehmer den Tag voll und ganz genießen kann. Je nach Strecke und erwarteter Teilnehmerzahl, werden unsere Trackdays entweder im Open-Pitlane oder GP Format (gruppenbasiert mit langen Einzelsessions) gefahren. Bei beiden Formaten achten wir allerdings immer darauf, dass die Teilnehmerzahl klein gehalten wird und die Teilnehmer die Chance auf viele freie Runden haben!

Ich drücke dir die Daumen. Gibt es neben der Konzentration auf GP Days weitere Pläne für die Zukunft?

Momentan liegt der Fokus mit GP Days natürlich mehr auf der Veranstaltung von Trackdays als der Teilnahme als Fahrer. Ich habe mir aber fest vorgenommen, dass ich in der nahen Zukunft wieder deutlich mehr auf Rennstrecken unterwegs sein möchte. Was das Tracktool angeht, gibt es natürlich auch viele Ideen, die in meinem Kopf rumschwirren. Ich denke allerdings nicht, dass die nächsten Veränderungen in Richtung Leistungssteigerung gehen, sondern eher einiges an Gewichtsoptimierung beinhalten werden. Anfang des Jahres habe ich den MINI auch offiziell abgemeldet, um etwas mehr Spielraum zu haben, was mögliche Veränderungen angeht, ohne mir um die TÜV Plakette Sorgen zu machen.

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Falk Ewaldsen.