Rundenrekorde auf der Nordschleife unter einheitlichen Rahmenbedingungen: Nürburgring zieht positives Fazit

Mitte letzten Jahres führte der Nürburgring ein neues Konzept ein, um Rekord-Fahrten auf der Nordschleife unter einheitlichen Rahmenbedingungen durchführbar zu machen. Seitdem finden Rekord-Versuche von Automobilherstellern unter notarieller Aufsicht statt und werden vom Nürburgring selbst offiziell bestätigt. Nach über einem Jahr ziehen die Verantwortlichen ein positives Fazit.

Mit einer Rundenzeit von 5.19:55 Minuten knackte Timo Bernhard im Sommer 2018 im Porsche 919 Evo den 35 Jahre alten Streckenrekord von Stefan Bellof auf der Nürburgring-Nordschleife. Gleichzeitig war es die erste Runde, die außerhalb einer Rennveranstaltung offiziell durch den Nürburgring bestätigt wurde. Der Beginn einer neuen Ära, denn seitdem finden die sogenannten „Rekordrunden“ unter einheitlichen Rahmenbedingungen statt. In den Jahrzehnten zuvor hatten die Automobilhersteller in Eigenregie die Fahrten im Rahmen verschiedenster Anmietungen selbst organisiert, die Zeit ebenfalls selbst gestoppt und anschließend kommuniziert. „Wir konnten weder gefahrene Zeiten bestätigen, noch dementieren“, fasst Michael Dürbaum, Leiter Vertrieb und Business Development am Nürburgring, die damalige Situation zusammen.

Dieses Prozedere hatte sich jedoch über Jahrzehnte hinweg etabliert und in der jüngeren Vergangenheit nahmen sogar die Zeiten, die weltweit – teilweise ohne Wissen der Rennstrecke – kommuniziert wurden, stark zu. Lediglich durch selbst erstellte Videoaufnahmen dokumentiert, konnte die Echtheit nicht wirklich nachgeprüft werden und so führten Rundenzeiten das ein oder andere Mal zu Diskussionen unter den Automobilherstellern, in Fachkreisen und bei Automobil-Enthusiasten. Es wurde für alle Beteiligten immer schwieriger nachzuvollziehen, wie und wann und vor allem unter welchen Bedingungen die schnellen Runden zustande gekommen waren. Die Zweifel an der Echtheit einer Rundenzeit auf der Nordschleife, und damit auch der Zweifel am Wert dieser Zeit, wurden immer größer. Darüber hinaus wurde bis dato nie die komplette Runde auf der Nordschleife gefahren, sondern aus organisatorischen Gründen lediglich 20,6 Kilometer, die durch gedachte Start- und Ziellinien markiert wurden. „Ein Umstand, den wir so nicht mehr hinnehmen konnten, denn über kurz oder lang hätte die Glaubwürdigkeit einer erbrachten Leistung auf der Nordschleife auf dem Spiel gestanden – dieses hohe Gut galt es zu bewahren“, erläutert Dürbaum den Grund für das Konzept der offiziellen Rundenzeiten.

Durch die einheitlichen Richtlinien, die der Nürburgring für die sogenannten „Rekordfahrten“ aufgestellt hat, haben die Verantwortlichen der Rennstrecke 2018 klare Regeln vorgegeben, die sich nach Meinung des Nürburgrings bewährt haben. Jeder Automobilhersteller, der eine offiziell anerkannte Zeit mit einem Fahrzeug auf der Nordschleife fahren und anschließend kommunizieren möchte, muss sich daran halten. Zu diesen Regeln gehört nicht nur die exklusive Anmietung der Strecke, sondern die Buchung eines kompletten Pakets, das sich der Nürburgring vermutlich einigermaßen fürstlich bezahlen lässt.

So bestellt der Nürburgring für die Durchführung einen unabhängigen Notar. Dieser bestätigt nicht nur am Ende die Rundenzeit, sondern prüft vorher auch das Fahrzeug und die geeichte Messtechnik für die Zeitnahme. Für eine bessere Vergleichbarkeit werden die Fahrzeuge in zwölf Kategorien eingeteilt. Als Grundlage hierfür dienen die Einstufungen des Kraftfahrtbundesamtes. Nur in diesen aufgeführten Klassen – vom Kleinwagen bis hin zum Prototypen – können Rundenzeiten aufgestellt und folglich auch unterboten werden. Ebenfalls essentiell: die Sicherheit, für die der Nürburgring rund um die Strecke sorgt. Darüber hinaus wird die Kommunikation der Zeit in Verbindung mit dem Nürburgring-Logo für den Automobilhersteller lizensiert und auf der Homepage des Nürburgrings offiziell gelistet. Als zusätzlichen Mehrwert bietet der Nürburgring zudem an, die Onboard-Runden auf den eigenen Social-Media-Kanälen zu zeigen und somit rund 1,5 Millionen Nürburgring-Fans zu kommunizieren.

Seit der Einführung des Konzepts haben Hersteller wie Mercedes-AMG, Audi, Porsche, VW und Lynk & Co von dem Angebot Gebrauch gemacht und eine offizielle Zeit in den Asphalt gebrannt. Um nichts dem Zufall zu überlassen, griffen dabei erfahrene Nordschleifen-Asse wie Timo Bernhard, Frank Stippler oder Romain Dumas ins Lenkrad – neben dem Fahrzeug ein wichtiger Faktor. „Bei den durch uns bestätigten Rundenzeiten sehen wir uns als Nürburgring ebenfalls in der Verantwortung“, sagt Nürburgring-Geschäftsführer Mirco Markfort. „Nur wenn das Gesamtkonstrukt stimmt und durchweg professionell ist, lassen wir ein Fahrzeug für solch eine Fahrt auch auf die Nordschleife. Wir haben hier die anspruchsvollste Rennstrecke der Welt und obwohl wir in den vergangenen Jahren große Anstrengungen für die Sicherheit unternommen haben, bleibt immer ein Restrisiko. Dieses möchten wir weitestgehend minimieren, indem wir das uns vorgetragene Vorhaben bestmöglich einschätzen und dementsprechend erst zusagen, wenn wir vollends überzeugt sind.“

Über ein Jahr nach der Einführung des neuen Konzepts und mehreren Rekordfahrten sind die Verantwortlichen überzeugt, den richtigen Schritt unternommen und für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation herbeigeführt zu haben. So heißt es zumindest in einer Pressemitteilung, die der Nürburgring jetzt veröffentlicht hat. Darin heißt es weiterhin: „Die Automobilindustrie hat nun die Möglichkeit, die Zeiten offiziell und überzeugend zu kommunizieren. Die Konsumenten haben Gewissheit und der Nürburgring bleibt auch in Zukunft der glaubhafte Prüfstein für die Leistungsfähigkeit eines Automobils. So wird der seit Jahrzehnten geltende Spruch „Jeder lobt, was Nürburgring-erprobt“ als Qualitätsmerkmal erfolgreich in die Zukunft geführt.“


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