Der neue Leon Cupra: Marketing-Gag oder Fahrmaschine?

Seat hat den neuen Leon Cupra vorgestellt. Pardon, in offiziellem Marketing-Sprech muss es natürlich heißen: Cupra hat den neuen Leon Cupra vorgestellt. Denn die besonders sportlichen Seat-Modelle werden ja jetzt unter der neuen Marke vermarktet.

Als „Cupra“, eine Wortschöpfung aus „Cup“ und „Racer“, wurden bei Seat schon länger die besonders sportlichen Modelle bezeichnet. 2018 wurde dann aus Cupra eine eigene Marke.  Als die Spanier damals die neu Submarke vorstellten, betonten sie die Nähe der Marke zum Motorsport. So weit, so gut. Doch schon kurz darauf begann das Stirnrunzeln und der geneigte Betrachter musste sich zwangsläufig fragen, wie authentisch die neue Marke wirklich ist.

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Bei Seat war man der Meinung, die Marke Cupra stehe nicht nur für Sportlichkeit und Motorsport, sondern auch für Eleganz. Das war irgendwie neu. Ja, die verschiedenen Cupra-Modelle waren allesamt nicht hässlich. Aber elegant? Einen regelrechten Faux-pas leistete sich Cupra, als mit dem Cupra Ateca ausgerechnet ein SUV als erste Baureihe der – vermeintlich – eigenständigen Marke präsentiert wurde.

Dass die Marke Cupra tatsächlich mehr Marketing-Gag denn ernsthaft sportliche Positionierung ist, wurde in der Folge immer offensichtlicher. Während die Motorsport-Abteilung bei der Submarke mit der WTCR und dem E-Renner für die elektrische ETCR ernsthafte Programme verfolgte, sorgte die für die Straßenmodelle verantwortliche Sparte regelmäßig für Verwunderung. Zumindest bei den Fahrern, die bisher ein Cupra-Modell fuhren. So suchte die Marke lieber die Nähe zu Fashion-Designern und Musikproduzenten, als sich mit auto- oder motorsportlichem Ballast aufzuhalten.

Auch die Auswahl der Markenbotschafter fiel für eine Marke, die ihre ‚Gene im Rennsport‘ sieht, erstaunlich aus. Fußballer Marc-André ter Stegen oder Schauspieler Ken Duken haben mit Motorsport ungefähr so viel zu tun wie Wanne-Eickel mit dem Mittelmeer. Ich muss es wissen, schließlich komme ich aus Wanne-Eickel. Immerhin erfahren wir im „Interview“ mit Seat, dass Schauspieler Ken Duken als Kind viel Zeit unter dem Schminktisch seiner Mutter verbracht hat. Zumindest holten sie mit Mattias Ekström irgendwann auch einen Motorsportler, um zumindest ein wenig „Street Credibility“ aufrechtzuerhalten.

Cupra wirkte immer bemüht, besonders lifestylig, besonders kulturell, besonders elegant oder – anders ausgedrückt: besonders „premium“ zu wirken. Motorsport wirkte stets wie lästiger Ballast. Aber ich kann mich auch täuschen.

Wie auch immer. Jetzt haben sie den neuen Seat Leon Cupra, Verzeihung: Den neuen Leon Cupra präsentiert.

Der kommt mit 300 PS im Fünftürer und Kombi „Sportstourer“. Die volle Leistung, 310 PS, traut Cupra den Fronttrieblern offenbar nicht zu. Wer die 310 Pferde haben will, muss den Kombi mit dem Allradantrieb „4Drive“ bestellen – der auch nur für den Kombi bestellbar ist.

Durchaus spannend ist der Leon Cupra e-Hybrid. Der kommt zwar leistungstechnisch nicht an die Benziner heran, ist aber zumindest im Betrieb theoretisch  umweltfreundlich: In der Hybrid-Variante des neuen Leon Cupra arbeitet laut autobild.de der für den Golf 8 GTE angekündigten 1.4 TSI. Zusammen mit dem 115 PS starken Elektromotor mit 13 kWh-Batterie liegt die Systemleistung bei 245 PS und 400 Nm. Wie hoch das Zusatzgewicht ist, ist bislang nicht bekannt. Die rein elektrische Reichweite soll bei bis zu 60 Kilometern liegen.

In der Pressemeldung erfährt man viel über Design und Konnektivität, es gibt allerdings nur wenige wirklich brauchbare Informationen zu den fahrdynamisch relevanten Details. Ich habe sie dennoch zusammengetragen:

Mit dem 4Drive Allradsystem, das im Sportstourer zum Einsatz kommt, analysiert das Fahrzeug permanent die Fahrereingaben in Echtzeit, um jederzeit die optimale Antriebskraft an die einzelnen Räder zu übertragen. Damit beschleunigt der CUPRA Leon Sportstourer in unter fünf Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und weiter bis zur elektronisch begrenzten Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Das auf der Hinterachse installierte System befindet sich am Ende der Antriebswelle kurz vor dem hinteren Differenzial. Dadurch ergeben sich zwei Vorteile: eine bessere Gewichtsverteilung und eine Verringerung von Trägheitsmoment und Reaktionszeit, sodass der neue CUPRA Leon in jeder Situation souverän reagieren kann.

Alle Antriebskombinationen sind mit dem Doppelkupplungsgetriebe (DSG) ausgestattet, das Gangwechsel präziser und sanfter macht. Bei der „Shift-by-Wire-Technologie“ ist der Schalthebel nicht mechanisch, sondern elektronisch mit dem Getriebe verbunden. Schaltwippen am Lenkrad bieten mehr Interaktion beim sportlichen Fahren.

Die Kombination aus hochmodernem Antrieb und ideal abgestimmtem Fahrwerk sorgt für beeindruckend dynamische Kraftentfaltung. Der neue CUPRA Leon bietet dank der Feinabstimmung von Fahrwerk und Lenkung ein besonders präzises und intensives Fahrerlebnis – unabhängig von der gewählten Motorisierungsstufe.

Der CUPRA Leon ist mit einer progressiven Lenkung ausgestattet, die dem Fahrzeug auch auf anspruchsvollen Strecken ein Höchstmaß an Agilität verleiht und dem Fahrer deutliche Rückmeldung von der Fahrbahn gibt. Dank der Adaptiven Fahrwerksregelung (DCC) kann der CUPRA Leon unmittelbar auf Änderungen beim Fahrverhalten und die Streckencharakteristik reagieren. Innerhalb von Millisekunden nimmt das System entsprechend den Bedingungen Änderungen an der Fahrwerkseinstellung vor und sorgt so jederzeit für ein gleichermaßen sportliches wie sicheres Fahrverhalten.

Vier verschiedene Fahrprofile stehen dem Fahrer zur Auswahl, um die Dynamik des CUPRA Leon nach seinen persönlichen Vorlieben einzustellen: Comfort, Sport, CUPRA und Individual. Diese Profile beeinflussen unmittelbar den Charakter des Fahrzeugs: Im Handumdrehen wird der CUPRA Leon vom unaufgeregten Alltagsfahrzeug zum reinrassigen Sportler.

MacPherson-Federbeine vorn sowie die Multilenker-Hinterachse stellen durch perfekte Dämpferabstimmung sicher, dass auch gegenläufige Anforderungen wie Fahrkomfort im Alltag und Reaktionsschnelligkeit in dynamischen Fahrsituationen ohne Abstriche erfüllt werden.

Dass der neue CUPRA Leon in jeglichen Fahrsituationen überzeugt und ein Maximum an Sicherheit gewährleistet, hat er jedoch nicht nur seinem Fahrwerk zu verdanken, sondern auch seinem optionalem High-Performance-Bremssystem von Brembo.

Die hervorragende Fahrdynamik des CUPRA Leon ist zudem auf seine optimierte Geometrie zurückzuführen – wie etwa die mit 1.456 Millimeter rund drei Millimeter geringere Fahrzeughöhe und der mit 2.686 Millimeter um 50 Millimeter gewachsene Radstand. Der dabei gewonnen Raum kommt den Insassen auf der Rückbank zugute. Insgesamt hat der CUPRA Leon eine Länge von 4.368 Millimetern und ist damit um ganze 86 Millimeter gewachsen. In der Ausführung als Sportstourer ist der neue CUPRA Leon 4.642 Millimeter lang und damit rund 93 Millimeter länger als sein Vorgänger Leon CUPRA.

Im Vergleich zum SEAT Leon sitzt der CUPRA Leon an der Vorderachse 25 Millimeter und an der Hinterachse 20 Millimeter tiefer, was einen niedrigeren Schwerpunkt und damit eine deutlich sportlichere Straßenlage zum Ergebnis hat.

Zweierlei bleibt zu hoffen: Dass sich die Entwickler nicht von Marketingfirlefanz haben ablenken lassen und dass der neue Leon Cupra dem alten fahrdynamisch in nichts nachsteht. Denn der war echt ein gutes Auto.

Quelle, Bilder: Seat