Trackday-Bericht: Quer in Spa Francorchamps

DSK Hugo Emde Freies Fahren in Spa-Francorchamps am 17.10.2018

Der Trackday-Fahrer von Welt kommt rum. Sieht ferne Länder (etwa Holland oder Belgien), befährt mal mehr, mal weniger exotische Rennstrecken und kann gelegentlich ganz und gar seltsame Hotels kennen lernen. So er aus Budget-Gründen auf die besseren Häuser oder einen luxuriös ausgestatteten Camper samt Trailer verzichten muss. So wie meine Wenigkeit im Vorwege des Hugo-Emde-Freien-Fahrens des DSK in Spa-Francorchamps.

Immerhin erwische ich nach einem halben Tag das 3 Stunden kleine Zeitfenster, in dem die Rezeption besetzt ist. Ein einziges Auto neben dem Trackdaysport-GT86 auf dem Gästeparkplatz des Hotels wenige Kilometer vor der belgischen Grenze. Ein echter Geheimtipp also. An der Rezeption begrüßt mich der sympathische Geschäftsführer des Hotels. Er muss herzlich lachen, als ich frage, ob ich gleich die 50 Euro für die Nacht zahlen soll oder morgen. „Ohne Geld kein Schlüssel“, erwidert der Mann Anfang fünfzig selbstbewusst. Gern, antworte ich, und habe nach nur zwei erfolglosen Versuchen den fälligen Betrag per EC-Karte überwiesen.

Im Zimmer empfängt, nein: überwältigt mich ein ausgeprägter Chlorgeruch. „Es ist also intensiv geputzt worden, das lobe ich mir“, denke ich mir. Das Hotelzimmer ist durchaus klein und einfach eingerichtet. Wo die günstigen 50 Euro Kosten pro Nacht herkommen, daraus macht das Hotel keinen Hehl: Gesprungener Schrank-Spiegel, mehrfach eingerissener Lampenschirm der Nachttischlampe. Deutschland verliert 1:2 in Frankreich.

Aber ich schweife ab. Um 5 Uhr am nächsten Morgen bin ich hellwach – die Bundesstraße 10 Meter Luftlinie von meinem Zimmer ist erwacht und zeigt sich ausgesprochen aktiv.  Den praktischen Verzicht auf einen Wecker macht die Einfachverglasung der Fenster möglich. Prima, denn ich habe heute etwas vor – auf nach Francorchamps!

Einen Kaffee und einen ersten Schock später, als mir mein Navi eröffnet, glatte 10 Minuten nach Beginn der Fahrerbesprechung anzukommen (ich komme doch so ungern zu spät), bin ich bereits in Belgien. Trotz weiterhin gemächlicher Fahrweise komme ich überraschend pünktlich an, treffe die ersten bekannten Gesichter und geselle mich zur Fahrerbesprechung. Neu ist, dass auf dem Circuit de Spa Francorchamps mittlerweile mit körperbedeckender Kleidung gefahren werden soll. Angesichts der knackigen 7° Außentemperatur in den Ardennen an diesem Morgen herzlich gern, denke ich mir.

Mein erster Stint startet erst um 10.30 Uhr – genügend Zeit für die Sonne, den Asphalt adäquat aufzuwärmen. Denn der Wetter-Forecast hat schönsten Sonnenschein angekündigt. Und den hätte ich auch gerne, schließlich fahre ich heute erstmals auf neuen Michelin Pilot Sport Cup 2 Schlappen. Und die brauchen Temperatur, sagt man.

Noch ist es etwas diesig. Doch wie die ersten Fahrer bei aufgehender Sonne ihre Autos von den Hängern fahren und die Motoren im Fahrerlager direkt an der legendären Eau Rouge anlassen, ist schon speziell.

Um halb elf ist die Temperatur bereits auf 14° gestiegen, auch der Asphalt wird schnell wärmer. Luftdruck justieren, Helm auf, Harry´s Laptimer auf dem Smartphone anschmeißen und die Handschuhe an, auf geht´s. Ich rolle vom Fahrerlager in Schrittgeschwindigkeit durch Box 11 Richtung Boxengasse, hole mir einen Rüffel dafür ab, dass mein Fenster noch einen Spalt auf ist und befinde mich schon in der Kolonne der anderen Tracktools.

Wenig später springt die Ampel von rot auf grün, es kann los gehen. Noch einmal bewusst werden, was man hier eigentlich macht (zur Erinnerung: mit anderen, meist deutlich teureren Autos mehr oder weniger nah am Grenzbereich über eine Rennstrecke knallen), damit auch die Konzentration stimmt. Und dann geht´s schon auf die Einführungsrunde. Noch einmal mit den Streckenverlauf und den Gegebenheiten vertraut machen und die Reifen ein wenig auf Temperatur bringen.

In der ersten schnellen Runde wird die mal wieder bewusst, was für eine grandiose Strecke eigentlich ist! Dass die berüchtigte Links-Rechts-Links „Eau Rouge“ selbst in einem vergleichsweise schwach motorisierten Auto wie dem GT86 immer wieder Respekt einflößt. Ich überhole immerhin ein gutes Dutzend Autos und rolle mit einem breiten Grinsen in die Boxengasse zurück. Reifen und Fahrwerk funktionieren in Spa einfach hervorragend.

Mal kurz rechts ran und Fotos schießen.

Dank Mittagspause habe ich bis zum nächsten Stint eine Menge Zeit, die ich mit anderen Fahrern und Fotos-Schießen verbringe. Im Infield suche ich mögliche Fotospots ab und freue mich, in der Schule damals Französisch gehabt zu haben. Zwar mit äußerst überschaubarem Erfolg, aber immerhin reicht es, um die Streckenposten am Abschnitt „Les Fagnes“ zu fragen, ob ich bei ihnen Fotos machen kann. Die beiden anwesenden Hunde kläffen mich zwar an, aber für die entspannten Belgier geht das klar. Mit ebenfalls überschaubarem Erfolg (zwar habe ich die SD-Karte vollgemacht, doch leider ist gefühlt nur jedes zehnte Bild was geworden) klappt´s mit dem Fotografieren. Nach einer halben Stunde verabschiede ich mich wie ein echter Belgier („Au revoir, Messieurs“) und fahre ins Fahrerlager zurück.

Bei meinen weiteren Stints möchte ich meine Fahrtechnik vor allem in der Eau Rouge, in der schnellen Stavelot vor dem Highspeed-Abschnitt Courbe Paul Frère  und Blanchimont, sowie der Schikane vor Start-Ziel. Denn letztere beschäftigte mich mehr als mir lieb war. Mal verpasste ich den Bremspunkt der Eingang-Rechts und mehr als einmal enterte ich die Linkskurve auf Start-Ziel im Drift. Die Besucher des Café auf dem Dach der Boxengasse werden sich erinnern.

Einen Schreckmoment gibt es eingang der Doppellinks „Double Gauge“. Interessanterweise exakt da, wo einen Stint zuvor ein Renault Mégane RS offenbar ins Straucheln geraten war. „Wie kann man denn da einschlagen?“, waren meine Gedanken noch kurz zuvor. Aber auch ich sollte dort Probleme bekommen. Und das kam so: Einem Renault Clio RS fahre ich seit einiger Zeit beharrlich hinterher, was den Fahrer des kleinen Franzosen nicht daran hindert, weiterhin stoisch auf der Ideallinie zu verweilen. Kurz vor der Double Gauge schere ich aus dem Windschatten aus, um ihn zu überholen. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte, weil der Clio-Fahrer ebenfalls auf dem Gas blieb. Ich habe also nur überschaubar viel Platz (um ehrlich zu sein: gar keinen), um den Kurveneingang auch nur ansatzweise sauber zu erwischen. Was ich auch nicht tat. Vielmehr rauchte ich im Voll-Drift in die erste Linkskurve rein. Der GT86 blieb durch zwei größere Lenkkorrekturen allerdings wie so oft ziemlich gut beherrschbar. Kurz die Schweißtropfen aus dem Gesicht tupfen und weiter geht´s. Immerhin lasse ich den Clio hinter mehr. Trotzdem denke ich mir: Das nächste Mal lieber wirklich auf Nummer sicher gehen, ob der Vordermann auch tatsächlich Platz macht.

Danach geht es es bei herrlichstem Wetter  und Temperaturen um 23°, 24° ohne Probleme weiter. Am Nachmittag sortiere ich mich in den Feierabendverkehr ein und beendet eine für mich tolle Trackday-Saison. Danke an dieser Stelle an den DSK für die erneut hervorragende Arbeit.