Fahrtechnik: Die Sache mit dem Zwischengas

Wirklich schnell und sicher auf der Rennstrecke unterwegs zu sein, erfordert viel Übung und funktioniert nicht von heute auf morgen. Ein wenig theoretisches Hintergrund-Wissen (Stichwort „Kamm’scher Kreis“) kann auch nicht schaden. Und die ganz Ambitionierten tanzen auch noch gleichzeitig auf allen drei Pedalen herum: Die sogenannte „Heel-&-Toe“- oder deutsch „Spitze-Hacke-Technik“ gilt vielen als Nonplusultra der Fahrkunst. Wir konnten uns zu diesem Thema mit Sportfahrer-Coach Markus Gedlich unterhalten – und der wirbt dafür, die Kirche im Dorf zu lassen. Schließlich muss Markus es wissen: Mit seinem Unternehmen „Gedlich Racing“ organisiert Markus jedes Jahr x Trackdays – und sitzt als Coach regelmäßig selbst im Auto.

Zwischengas-Spitze-Hacke-Technik

Die Vorteile der Spitze-Hacke-Technik sind für Autos mit manuellem Getriebe nicht von der Hand zu weisen: Durch einen Zwischengasstoß beim harten Anbremsen vor einer Kurve soll das Auto beim Herunterschalten stabilisiert werden.

Durch den Gasstoß wird die Motorendrehzahl an die Drehzahl des Antriebsstrangs angepasst. Bedeutet: Beim Herunterschalten wird die Motordrehzahl an die höhere Drehzahl des niedrigeren Gangs angepasst. Auf diese Weise kann kein Schleppmoment entstehen, das dazu führen könnte, dass die Antriebsachse überbremst wird oder gar blockiert.


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Die Kunst besteht dabei darin, Ein- und Auskuppeln, Schalten, maximales Bremsen und sauberes Zwischengasgeben unter einen Hut zu bringen.

Die 5 Phasen der Spitze-Hacke-Technik:

  1. Start Bremsung mit dem Fußballen des rechten Fußes. Dabei bedeckt der rechte Fuß einen Teil des Gaspedals, betätigt es aber noch nicht.
  2. Tritt auf das Kupplungspedal mit dem linken Fuß, während der rechte Fuß weiter bremst.
  3. Mit dem Schalthebel wird der niedrigere Gang eingelegt, während der linke Fuß weiter auf dem Kupplungspedal steht und mit dem rechten Fuß weiter gebremst wird.
  4. Während der linke Fuß weiterhin auf dem Kupplungspedal steht und mit dem rechten Fuß weiter gebremst wird, betätigt der rechte Teil des rechten Fußes – je nach Geometrie der Pedalerie durch Abrollen nach rechts oder eine leichte Drehung der Hacke – kurz und knackig das Gaspedal.
  5. Während weiter gebremst wird, den Fuß vom Kupplungspedal nehmen.

Wenn die Spitze-Hacke-Technik einmal verinnerlicht ist, gehen Zwischengasstöße leicht von der Hand – bzw. vom Fuß, um genau zu sein. Doch das Erlernen der anfangs komplizierten Technik erfordert viel Training und Konzentration – und lenkt dabei nicht selten von wesentlich wichtigeren Manövern ab.

„Viele Racer probieren sich während des Trainings und Coachings im Umgang mit Spitze und Hacke“, erzählt Markus Gedlich. „Dabei vergessen viele Piloten ihre Tugenden wie präzises Bremsen oder Konzentration auf den Einlenkpunkt, weil sie voll auf das Zwischengas konzentriert sind. Und werden dabei nicht selten unsicherer und langsamer zugleich“, so Markus.

„In Zeiten automatisierter Getriebe verliert Zwischengas zunehmend an Bedeutung“, fährt der Fahrdynamik-Experte fort. „Mein Tipp: Es gibt Wichtigeres als das Zwischengas. Und ein gut geübter Kupplungsfuß hilft ähnlich effektiv. Diesen kann man auch im Alltag trainieren – bei jedem Runterschalten schnell, aber am Schleifpunkt gefühlvoll einkuppeln. Dies reduziert das Schleppmoment und somit die Gefahr des Heckausbruchs. Übrigens: Viele Profi-Rennfahrer fahren in Rennautos ganz ohne Zwischengas“, so Markus.


Markus Gedlich veranstaltet mit seinem Unternehmen „Gedlich Racing“ Trackdays in ganz Europa, unter anderem auf dem Circuito Ascari und auf dem brandneuen Circuito Espana. Als Tourenwagen- und GT-Rennfahrer setzt er bei seinen Events einen besonderen Schwerpunkt auf intensive 1:1-Fahrercoachings.

Auf Trackdaysport.de gibt Markus als Fahrdynamik-Experte regelmäßig Tipps und Tricks zur Fahrtechnik.