Besuch bei Milltek Sport: Neue Sport-Abgasanlage für den Trackdaysport-Toyota GT86

Der Toyota GT86 ist in seinem Preissegment ein ziemlich leistungsfähiges Auto. Sein tiefer Schwerpunkt, das geringe Gewicht und das ausgewogene Gewichtsverhältnis in Kombination mit Heckantrieb machen ihn zu einem formidablen Querdynamiker. Wenn man etwas kritisieren möchte, dann seine überschaubare Motorleistung und den durchaus mauen Sound. In Bezug auf Motorleistung und -drehmoment sei gesagt, dass man ihn einfach entsprechend fahren muss. Vernünftige Reifen vorausgesetzt, ist der kleine Japaner auf der Rennstrecke ohne weiteres imstande, auch leistungsstärkere Fahrzeuge zu ärgern. Nur was den Sound angeht, da kannst du so feste aufs Gaspedal treten, wie du willst, das kompakte Coupé will einfach nicht lauter werden. Deshalb wandte ich mich vertrauensvoll an die Experten von Milltek Sport Deutschland.

Anzeige:

Im Vorfeld nahm ich Kontakt zu Ollie Weiden, dem General Manager von Milltek Sport Deutschland, auf und diskutierte mit ihm vorab die verschiedenen Optionen für den Toyota GT86. Schnell hatten wir einen Plan und vereinbarten einen Termin bei Milltek Sport im Gewerbegebiet Nürburgring, einen Steinwurf von der Döttinger Höhe entfernt.

Und weil die Damen und Herren bei Milltek Sport ziemlich fix sind, ging es für mich bereits ein paar Tage später in die wunderschöne Eifel nach Meuspath. Wer von der B412 aus zum Nürburgring rollt, für den ist im Gewerbepark Milltek Sport die erste Adresse, zumindest nimmt der Auspuff-Spezialist die Hausnummern 1 bis 3 der Gottlieb-Daimler-Straße in Anspruch. Auf dem Parkplatz wähne ich mich und den Toyota in bester Gesellschaft: Unter anderem ein Ford Focus RS und ein Transporter von boes motorsport sonnen sich in der warmen Eifelsonne. In der Halle: Ein in der Touristenfahrer-Szene nicht ganz unbekannter BMW M3 E36 mit S54 Motor. Bei Milltek Sport muss man sich einfach wohlfühlen.

Drinnen lerne ich das Team von Milltek Sport Deutschland kennen: Ollie Weiden, Tatjana Schmid und Jan Vetter, der für alle Schweißarbeiten und Montagen verantwortlich ist. Ollie führt mich durch die Firma und zeigt mir, was möglich wäre, wenn ich einen Toyota GT86 CS-R3 oder CS-V3 fahren würde – die Rundstrecken- und Rallye-Varianten des Japaners: Die präsentierten, wunderbar leichten und wunderbar geschweißten Fächerkrümmer wären durchaus nach meinem Geschmack, aber nicht ohne weiteres eintragbar. Denn auch wenn ich – wie so oft – mit dem Gedanken gespielt habe: Eine Straßenzulassung ist mir einfach wichtig. Zumal ich mit dem Auto nicht nur zum Ring und zu anderen Rennstrecken reise, sondern auch öfter auf der Straße unterwegs bin. Und wenn man sieht, wie streng auch am Ring kontrolliert wird, ist ein „sauberes“ Auto die wohl entspanntere Strategie.

Im Gespräch erfahre ich, dass Ollie viele Jahre bei Toyota Motorsport arbeitete, bis er die Leitung der deutschen Milltek Sport Dependance übernahm. Im Hintergrund schweißt Jan eine Abgasanlage zusammen. Denn während die Entwicklung und Produktion die Kollegen in England übernehmen, zeichnet Milltek Sport in Deutschland sowohl für den Vertrieb als auch für Sonderanfertigungen verantwortlich. Und damit scheinen sie hier am Ring ordentlich zu tun zu haben. Mit einer gesunden Mischung aus kritischem Blick und Zufriedenheit begutachtet Jan seine Schweißnähte. Ja, das Schweißen, eine hohe Kunst, wie ich vor vielen Jahren während eines sechswöchigen Industriepraktikums leidvoll erfahren durfte. Aber Jan, ohnehin leidenschaftlicher Schweißer, wie er mir später erzählt, hat es offenbar ziemlich drauf.

Ollie Weiden (links) und Jan-Eric Vetter

Während Jan den GT86 auf der Hebebühne schon mal hochfährt, plaudern Ollie und ich über Sinn und Unsinn von Auspuff-Tuning-Maßnahmen. Gerade bei einem Saugmotor, wie dem Zwei-Liter-Subaru-Aggregat des Toyota GT86, musst du dich richtig strecken, um ein wahrnehmbares Leistungsplus realisieren zu können. Ollie hat eine klare Meinung zu dem Thema: „Mit einer Sport-Abgasanlage holst du kaum Leistung raus. Sie bietet aber Potenzial für weiterführende Modifikationen“. Das zentrale Problem: „Durch die strengen Abgasnormen gibt es im System Auto viel mehr Punkte, die überwacht und kontrolliert werden, als früher. Dadurch hast du nur sehr überschaubare Möglichkeiten.“ Zielführender wäre eine „komplette Abgasanlage inklusive Krümmer und neuer Software“, ist Ollie überzeugt.

TÜV-bedingte Kompromisse stehen traditionell fast immer in klarem Widerspruch zu möglichst viel Motorleistung. Insbesondere durch die Reduzierung des Rückstaus in der Abgasanlange kann ein gewisses Leistungsplus erzielt werden. Staut sich das Abgas, das bei der Verbrennung in den Zylindern entsteht, kann weniger neue, sauerstoffreiche Luft in die Zylinder geleitet werden und so kann weniger Leistung bei der Verbrennung des Kraftstoffs produziert werden. Deshalb kommen beim Auspufftuning neben einer angepassten Rohrführung in der Regel auch größere Rohr-Durchmesser zum Einsatz. Serienkomponenten wie Katalysatoren und vorhandene Rohre stellen hier einen natürlichen „Flaschenhals“ dar, der ein nennenswertes Leistungsplus weitgehend verhindert.

Mit zusätzlichen Maßnahmen könnte man also eine nennenswerte Verbesserung des Drehmomentverlaufs und der Leistung erzielen. Ich erinnere mich an die Saugmotor-Optimierungsmaßnahmen der GT86-Spezialisten von MPS Engineering. Die holten mit Software-Optimierung, einer Abgasanlage mit größerem 70-mm-Querschnitt und einem TÜV-zugelassenen Krümmer immerhin 15 PS raus. Kostenpunkt: ca. 3.200 Euro, also rund 213 Euro pro PS. Da bleibe ich persönlich – zumindest in der ersten Ausbaustufe – lieber bei der günstigeren und saven EG-Variante bestehend aus Endschalldämpfer und Mittelschalldämpfer, einer „resonated“ Secondary Cat-back Anlage mit 63,5 mm Rohrdurchmesser. Milltek Sport bietet Endrohre in fünf verschiedenen Versionen an: Schwarz matt, Poliert, Titan Matt, Titan geflammt und Carbon in 115 mm. Die Entscheidung fällt gar nicht leicht, doch am Ende entscheide ich mich für die bläuliche Endrohrvariante: Titan geflammt.

Während draußen ein Honda S2000 und ein weiterer BMW M3 vorfahren, wiegen wir die alte Serien-Abgasanlage und die neue von Milltek Sport. Obwohl die Milltek Sport Anlage aus rostfreiem Edelstahl gefertigt ist, bringt sie immerhin ziemlich genau zwei Kilogramm weniger auf die Waage. Da sind dann wenigstens die zusätzlichen Corona-Pfunde kompensiert.

Ein paar Minuten später ist die Anlage fertig montiert. Also runter von der Bühne und direkt mal den Sound checken. Erstaunen in der Runde: Da kommt hinten einiges raus, aus den Endrohren aus geflammten Titan. Zumindest beim Kaltstart. Nach der Kaltstartphase wird´s erwartungsgemäß leiser, aber der Sound ist zwar weiterhin dezent aber immer noch eine Spur sportlicher. Zudem sehen die Endrohre einfach deutlich besser aus, als die plötzlich beinahe plump wirkenden Original-Endrohre.

Wenig später verabschiede ich mich und bin kurz darauf auf dem Weg nach Hause. Nach rund 300 gefahrenen Kilometern mit der neuen Milltek-Abgasanlage kann ich feststellen, dass der Sound vor allem unten rum kerniger, kraftvoller geworden ist. Außerdem bilde ich mir ein, dass das Ansprechverhalten des GT86 marginal besser geworden ist.

Insbesondere im Drehzahlbereich zwischen ca. 3.200 Umdrehungen und 4.500 Umdrehungen pro Minute fällt das Drehmoment-Niveau des Subaru-Motors deutlich ab. Dieser „Torque-Dip“ fühlt sich mit der Milltek-Anlage weniger drastisch an.

Insgesamt bin ich also sehr zufrieden – und mal sehen, ob in Zukunft noch was geändert wird…

Milltek Sport ist technischer Partner von Trackdaysport. Dies hat selbstverständlich keinen Einfluss auf Meinungen, Erfahrungen und die redaktionelle Berichterstattung.