Corona und Trackdays 2021: So plant All4Track die neue Saison

Was erwarten die Trackday-Veranstalter von der Trackday-Saison 2021? Das sagen Daniel Schwerfeld und Kilian Weitz von All4Track.

Wie schätzt ihr die aktuelle Situation rund um Covid-19 ein? Wann kann die Trackday-Szene in die Saison starten?

Kilian: Der aktuelle Status bei uns ist: In die Glaskugel gucken, gepaart mit der Hoffnung, dass es bald wieder los geht. Zurzeit schieben wir die Planungen vor uns her.

Anzeige:

Bild: all4track AG

Daniel: Es ist in der Tat alles Kaffeesatzleserei. Wir bekommen täglich Anrufe von Trackday-Fahrerm, die uns fragen, ob wir wissen, wann es losgeht. Die Szene nimmt uns also als Trackday-Experten wahr, wie das Reisebüro der Szene. Aber um ehrlich zu sein: Keiner weiß genau, wann es losgehen kann – weder wir als Veranstalter, noch die Streckenbetreiber. Wenn wir eines bislang gelernt haben, dann dass wir uns im Hinblick auf die Entscheidungen der Bundesregierung auf nichts verlassen können. Unsere Hoffnung ist, am 28.2. zu starten. Es ist aber genauso möglich, dass wir bis Ostern oder sogar bis zu einem noch späteren Zeitpunkt nichts machen können. Im letzten Jahr konnten wir erst Mitte Mai starten. Und ich befürchte, dass es auch in diesem Jahr so sein könnte. Aber ich betone: Das ist nur eine Befürchtung.

Im letzten Jahr konnte der professionelle Motorsport unter bestimmten Voraussetzungen weitgehend fortgesetzt werden – anders als der Amateurmotorsport. Dadurch, dass wir auch Veranstaltungen für lizensierte Fahrer und den professionellen Motorsport durchführen, hoffen wir, dass wir in dem Bereich eher starten können.

Was habt ihr getan, um Trackdays durchführen zu dürfen – Stichwort Hygieneregeln?

Daniel: Den ersten Trackday im letzten Jahr, am Bilster Berg, haben wir mit ganz kleinen Gruppen durchgeführt. Wir waren damals sehr schnell und haben uns früh angepasst und Hygienekonzepte entwickelt. Das geht, wenn man anpassungsfähig ist und man nicht in alten Strukturen festhängt

Kilian: Wir haben uns konsequent an die Gegebenheiten angepasst und die Regelungen der einzelnen Länder befolgt. Darüber hinaus haben wir von unserer Seite die Hygienekonzepte erweitert, indem wir jedem Teilnehmer Handschuhe Masken, Kugeslschreiber etc. zur Verfügung gestellt haben oder indem wir die Registrierung digital angeboten haben. Auch eine Neuheit bei uns: Die Drive-In-Akkreditierung, bei der Kunden im Auto sitzen bleiben können und alles Benötigte in das Fahrzeug reingereicht bekommen.

Wir haben dennoch für uns entdeckt, dass man nicht alles digitalisieren kann oder sollte. Die Fahrerbesprechung etwa. Die funktioniert zwar auch digital. Das Format hat aber einen Einfluss auf die Qualität des Geschehens auf der Strecke. Wir sind deshalb dazu übergegangen, die Fahrerbesprechung wieder persönlich an der Strecke vorzunehmen – selbstverständlich Corona-konform und mit Mikrofon und Boxen. Die persönliche Ansprache bringt einfach viel Qualität rein und trägt zur Sicherheit bei.

Kilian: Auch in Bezug auf Catering haben wir einiges gemacht. So haben wir ausschließlich einzeln verpackte und eingeschweißte Snacks und Lebensmittel angeboten und haben auch extra Personal fürs Catering eingesetzt. Das sind natürlich Geschichten, die ins Geld gehen – die wir aber beibehalten wollen, weil das ein schöner Service ist. Wenn die Pandemie etwas Gutes hat, dann dass man hier und da auf neue Ideen kommt.

In Bezug auf dieses Jahr können wir uns vorstellen, auch Schnell-Test vor ort durchzuführen, wenn das Sinn macht. Was wir nicht vorhaben, ist, eine Selektion der Teilnehmer nach „geimpft“ oder „nicht geimpft“ vorzunehmen. Wichtig ist uns, dass unsere Veranstaltungen immer noch eine hohe Qualität haben.

Daniel: Ein Beispiel: Wir hätten am 11.2. einen Trackday in Zandvoort machen können. Allerdings in einem sehr eingeschränkten Rahmen. Weil wir aber einen hohen Anspruch an die Qualität unserer Veranstaltungen haben, haben wir Abstand von dem Event genommen.

Kilian: Genau, das hätte nicht unserem Konzept entsprochen. Wenn nicht mal Gespräche möglich sind, dann macht das keinen Sinn.

Was erwartet ihr von dieser Saison? Wie wird sich Covid-19 im Verlauf des Jahres auf die Trackday-Szene auswirken?

Daniel: Wir haben natürlich die Hoffnung, dass sich alles schnell normalisiert. Aber auch dieses Jahr wird schwierig für die Trackszene. Im letzten Jahr ist die Anzahl der Trackday-Fahrer sicherlich um rund ¼ geringer geworden, die Trackday-Szene ist also kleiner geworden. Schon allein, wenn wir ins Ausland schauen. Aus Kroatien, Russland oder auch der Türkei kommen regelmäßig große Communities rüber, um bei uns Trackdays zu fahren. Aber die kommen eben nicht raus aus ihrem Land – oder zumindest nicht rein nach Deutschland.

Kilian: Es gibt natürlich viel Bedarf. Ich bin überzeugt, dass es einen regelrechten Run auf die Veranstaltungen geben wird, sobald sie stattfinden können. Wenn dieser große Bedarf erst einmal nachgeholt wurde, dann dürfte auch wieder etwas Druck nachlassen. Letztes Jahr gab es durch viele Verschiebungen und Absagen teilweise ein Überangebot an Veranstaltungen, sodass sich die Angebote der verschiedenen Veranstalter kannibalisiert haben.

Ich denke, dass 2021 nicht das Niveau von 2019 erreichen wird. Und wir werden uns auch weiterhin mit vielen Restriktionen arrangieren müssen. Und vielleicht ist es sogar so, dass viele gewohnte Dinge, nicht mehr so sein werden, wie wir sie kannten.